Warum ich denke, dass Afrika die Welt retten wird.

Hallo Welt!

letzten Samstag, also vor genau drei Wochen, bin ich in Ghana angekommen. Diesen Blog-Eintrag möchte ich gerne den wichtigsten meiner EindrĂŒcke aus dieser kurzen Zeit widmen. Ich fĂŒhle mich zwar immernoch, also wöllte ich aus einer Hand voll Erde einen Wald begreifen, aber versuchen möchte ich es trotzdem.

Das erste was mir ins Auge gesprungen ist, als ich am 7. September nach Komenda gefahren bin, waren die bemerkenswerten Auswirkungen der Globalisierung, zumindest auf SĂŒd-Ghana. Ich wĂŒrde jedoch ausgehen, dass dies mehr oder weniger in den meisten Teilen Afrikas der Fall ist. Globalisierung in Ghana (wie fĂŒr die meisten Teile Afrikas) begann mit Portugiesen, NiederlĂ€ndern und Briten, wobei die Briten am Ende die Oberhand gewannen. Und sie zieht sich bis heute hin, in eine Art modernen Kolonialismus durch multinationale Konzerne. Was einmal die Briten waren sind nun Coca-Cola, Microsoft, Samsung, Sony, Nestle, etc … und China. (China scheint ein multinationaler Konzern fĂŒr sich zu sein. Gleiches trifft aber auch fĂŒr die USA zu.)

Meiner Erfahrung nach sehen die Ghanaer selbst das Alles weitaus weniger kritisch. Heutzutage wertschĂ€tzen sie die Briten genauso sehr als Bringer des Fortschritts wie sie Coca-Cola fĂŒr ihren Geschmack, Popmusik fĂŒr ihren peppigen Sound, und die USA fĂŒr ihre generelle Coolness lieben. Themen wie Rassismus, Monopolismus oder Imperialismus sind hier weitaus weniger prĂ€sent, da sich die Ghanaer in allen drei FĂ€llen nicht auf der Geberseite befinden. Feel free ist das vorherrschende LebensgefĂŒhl, sehr stark dem Ă€hnelnd was ich in den USA erlebt habe. Mit dem Unterschied, dass wenn Ghanaer sich gegenĂŒber verschiedenen Themen gleichgĂŒltig verhalten, dies weitaus sympathischer und ehrlicher erscheint, im Gegensatz zu ignorant. Denn Ghanaer sind grĂ¶ĂŸtenteils nicht auf der Geberseite der Probleme die sie ignorieren, im Gegensatz zu den USA oder Westeuropa.

Um die Parallelen zwischen Indiana und SĂŒdghana fortzusetzen: SĂŒdghana ist extrem christlich, (und sowohl in Indiana als auch Ghana isst man mit den Fingern). Demzufolge haben die USA eine ziemlich gute Beziehung mit Ghana (ein anderer Grund fĂŒr die guten Beziehungen könnte Ghanas politische NĂ€he zu China sein, mehr dazu in einem anderen Post). Obama war hier 2009, und das USAID (siehe http://ghana.usaid.gov/) leistet große BeitrĂ€ge zur ghanaischen Wirtschaft. Kofi Annan (ehemaliger UNO-GeneralsekretĂ€r) und Mario Balotelli (Spieler in der italienischen Fußball-Nationalmannschaft) sind gute Beispiele fĂŒr Ghanaer in unserer westlichen Blase.

Die Situation hier ist aus meiner Perspektive nihct so schlecht wie man vielleicht denken mag:

  • Es gibt ein durchdachtes sieben-schichtiges Gesundheitssystem und eine erschwingliche öffentliche Krankenkasse (NHIS – National Health Insurance Service)
  • Es gibt ein Schulsystem mit zwölf Klassen und Schulpflicht, die Alphabetisierung soll bei 81% liegen (die Zahl ist wahrscheinlich unzuverlĂ€ssig). Die Regierung macht mit Nachdruck deutlich, dass Ghana auf eien digitale Zukunft hin ausgerichtet ist. ICT (Information and Communication Technology) ist Pflichtfach an allen High-Schools
  • Die Menschen hungern nicht, und Ghanas Wirtschaft ist in vergleichsweise guter Verfassung (Ghana’s BIP-Wachstum von 14% im Jahr 2012 war das weltweit zweitgrĂ¶ĂŸte nach Qatar!)
  • Frischwasserversorgung funktioniert grĂ¶ĂŸtenteils ĂŒber ein System aus zumeist unrecycelten Wasserbeuteln. (Preis etwa 5-10 Cent pro Liter)
  • ÖPNV funktioniert ĂŒber ein System aus s.g. „Trotros“ (Taxi-Ă€hnliche Kleinbusse mit festen Routen) und geteilte Taxis
  • Die Infrastruktur ist in wachsend gutem Zustand. Die meisten wichtigen Zufahrtsstraßen sind asphaltiert. (Vor allem in SĂŒdghana)

Das grĂ¶ĂŸte und offensichtlichste Problem (aus meiner Sicht) resultiert aus einer fehlenden MĂŒll-Recycling-Struktur. Der meiste MĂŒll wird nicht weiterverarbeitet und brennt sich (wortwörtlich, denn er wird meistens wenn ĂŒberhaupt verbrannt) ins Landschaftsbild ein.

money
„Little money“

Letztendlich möchte ich gerne die relative Bedeutungslosigkeit des BIP deutlich machen, zumindest in SĂŒdghana. Mit einem jĂ€hrlichen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 6000 USD, wird Ghana als Entwicklungsland und damit als arm eingestuft. Das ist eine sehr begrenzte Ansichtsweise, wie ich hier gelernt habe. Cashflow ist einfach (noch) nicht die Definition der ghanischen kultur (im Gegesatz zu der recht kommerzialisierten westlichen Kultur). Das BIP ist, zum Beispiel, nicht geeignet um die ökonomischen Auswirkungen privat genutzter Felder oder Nutztiere zu messen. Es ist auch unvorteilhaft, da es die lokale WĂ€hrung unterschĂ€tzt. Man kann zum Beispiel ein Brot fĂŒr zwei Cedi (etwa 60 Cent) kaufen. FĂŒr den doppelten Preis bekommt man einen guten Haarschnitt. FĂŒr einen Cedi (30 Cent) kann man ein Taxi durch die Innenstadt von Cape-Coast nehmen. Es sind nur importierte GĂŒter die teuer sind.

Die landwirtschaftliche, unkommerzielle Ausrichtung der ghanaischen Gesellschaft hat viele unschĂ€tzbare Vorteile. Zum Beispiel, relative UnabhĂ€ngigkeit von westlichen Finanzkrisen. Oder relative Freiheit vom Karrieredenken und dem ökonomischen Erfolgsdruck. Und relative Freiheit von dem KrebsgeschwĂŒr des westlichen Finanzkapitalismus (AbhĂ€ngigkeit vom Finanzdienstleistungssektor zur Fremdfinanzierung). Wenn man sich hier umsieht, dann ist die Landschaft von unfertigen GebĂ€uden gespickt, was den Eindruck erweckt das alles wĂ€hren die uns so gut bekannten Investmentruinen. TatsĂ€chlich ist aber das Gegenteil der Fall: Die Menschen hier nehmen sich selten Kredite um irgendetwas zu bauen. Statt dessen bauen sie Schritt fĂŒr Schritt, einen Zahltag nach dem Anderen.

Wenn du hĂ€nderingend nach einer Lösung zu dem Problem der Unmöglichkeit des unendlichen Wirtschaftswachstums suchst, auf das unsere Wirtschaft aufgebaut ist: Nimm Afrika als ermutigende Inspiration! Wenn du dich davor fĂŒrchtest das die westliche Gesellschaft wegen ihrer generellen Unnachhaltigkeit zusammenbrechen könnte, versuche eine Kultur wertzuschĂ€tzen die mit einem Bruchteil der Resourcen auskommt die wir tagtĂ€glich verbrauchen.

Cheers!

 

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