Iran

Nun habe ich also tatsĂ€chlich 12 Tage im Iran verbracht! Wie aufregend! Von allen außer-europĂ€ischen Urlaubszielen, denen ich mich bisher zugewandt habe, war dieses wohl mit Abstand das kontroverseste. Das liegt natĂŒrlich daran, dass das Wort „Iran“ in unserem 24-Stunden Nachrichtenzyklus hauptsĂ€chlich in antiwestlichen Kontexten vorkommt. Meiner Erfahrung nach ist das bedingt durch einen giftigen Mix aus US/Israel-Lobby gefĂŒhrter Propaganda (Die Achse des Bösen!) and Iranisch/Russischer Gegenpropaganda (Der große Satan!), welcher die westliche Öffentlichkeit in einer grauen Informations-Suppe zurĂŒcklĂ€sst, aus der sich Jeder seine Version der „Wahrheit“ zusammenpicken kann. FĂŒr mich ein höchst unbefriedigender Zustand. An dieser Stelle eine kleine Anekdote: Als ich auf dem Flughafen in MĂŒnchen meinen Flieger nach Teheran bestieg, traf ich einen Nigerianer auf dem Weg nach Hause, der mich fragte, wohin die Reise denn ginge. Als ich stolz „Iran!“ antwortete, zögerte er kurz und meinte dann: „Iran – ist das nicht gefĂ€hrlich?“ Dies bewies mir einmal mehr, wie hoch und umfassend das Maß an Desinformation ist, und wie relativ die Wahrnehmung von „Gefahr“.

Die Idee, den Iran zu besuchen ist nun also schon eine Weile lang in meinem Kopf herumgegeistert. Nicht nur um die „Graue Suppe“ mit einem Filter aus tatsĂ€chlicher Erfahrung zu konfrontieren, sondern da ich auch irgendwo in meinem Hinterkopf wusste, dass „Iran“ fĂŒr den grĂ¶ĂŸeren Teil der Geschichte „Persien“ war, womit ich zivilisatorische Errungenschaften, Luxus und Popkultur assoziierte.

In einem Pinselstrich des Schicksals nun brachte mich meine ehemalige Wohnsituation im Studentenheim in Stuttgart in eine WG mit einem großartigen Mitbewohner aus dem – gut geraten – Iran. Kasra machte (macht) seinen Master in Umweltingenieurwesen an der Uni Stuttgart, und wie sich bald herausstellte, existierte zwischen unseren Weltbildern eine betrĂ€chtliche Schnittmenge; wir verstanden uns also recht gut. Da er fĂŒr mich eine seltene Quelle originellen Wissens ĂŒber das Leben im Nahen Osten war, verbrachten wir Stunden mit interviewartigem Informationsaustausch, in dem ich meine uninformierten Fragen loswerden, und er mit viel Geduld einem naiven AuslĂ€nder den Status Quo seines Landes erklĂ€ren konnte.

HauptsĂ€chlich lernte ich natĂŒrlich, dass ich so gut wie nichts wusste. Dass ich wohl oder ĂŒbel meine eigenen Erfahrungen wĂŒrde machen mĂŒssen, war mir nun recht offensichtlich! Den nĂ€chsten Zahltag ungeduldig erwartend, buchte ich mir postwendend einen Flug nach Teheran fĂŒr den 25. Semptember. Die erste großartige Überraschung: Ein Flug in den Iran ist aktuell unerhört gĂŒnstig! FĂŒr einen Flug mit Emirates, der kompromisslosen Luxusairline der Emirate, musste ich tatsĂ€chlich nur 400 Euro bezahlen. Und ich durfte in einem A380 reisen! 🙂 Nach etwas initialer Verwirrung stellte sich auch der Visabeschaffungs-Prozess als einfach heraus; Ich wĂŒrde mein Visum wohl ohne Komplikationen bei der Ankunft am Flughafen bekommen.

TEHERAN

Ich glaube, es gibt in vielen Köpfen Gedanken-Rumpelkammern, kleine Ecken des Wahnsinns, in die man normalerweise nicht hineinschaut. In meinem Kopf war alles zum Thema „Iran“ eine solche Rumpelkammer. Als ich auf dem Weg in den Iran diese Kammer nun öffnete, rasten ein paar Poltergeister durch meinen Kopf, was im Nachhinein recht lustig ist. In meinem Fall war das vor allem die anschwellende Panik die mich erfasste als ich im Flugzeug saß, und stĂ€ndig daran denken musste, was mir die Flughafenpolizei wohl antun wĂŒrde, wenn sie die Flasche Wein entdeckten, die ich in meinem Koffer als Geschenk fĂŒr Kasra dabei hatte. (Alkohol ist ja im Iran schließlich verboten.) NatĂŒrlich stellte ich mir grimmige Beamte vor, die jegliche Angst aus einer Meile Entfernung riechen wĂŒrden.

Als ich dann tatsĂ€chlich landete, war die RealitĂ€t wesentlich bodenstĂ€ndiger. Ich sollte wohl erwĂ€hnen, dass ich zu einer recht bodenstĂ€ndigen Tageszeit ankam, nĂ€mlich 2 Uhr frĂŒh. Mit mir kamen außerdem 40 andere Passagiere an, die ebenfalls den genialen Plan hatten, sich auf dem Flughafen um 2 Uhr frĂŒh ihr Visum zu besorgen.

Die zustĂ€ndigen Beamten waren natĂŒrlich in vielerlei Hinsicht ĂŒberfordert mit der Flut an begierigen AuslĂ€ndern, aber meisterten die Situation mit Gelassenheit. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach etwa 90 Minuten bekam der Erste sein Visum! Er hielt seinen Pass in Luft wie eine TrophĂ€e, und die Menge war aus dem HĂ€uschen.

Nach etwa zwei Stunden (es war nun 4 Uhr frĂŒh) bekam auch ich mein Visum, passierte die Immigrationstische, bekam mein GepĂ€ck und wurde mit einem freundlichen Nicken des Zollbeamten durchgewunken. Eine Minute spĂ€ter durfte ich Kasra und seinen Vater umarmen, die ohne jegliches Wissen ĂŒber meinen Verbleib 2 Stunden lang auf mich gewartet hatten! FĂŒr alle Beteiligten wohl ein rĂŒhrender Moment.

Nach einer kleinen MĂŒtze Schlaf war ich vollkommen wach und bereit, das Land zu erkunden, ĂŒber das ich nichts wusste. Gegen Abend machten Kasra und ich uns also auf zu einem ersten Spaziergang durch Teheran, und mein erster Eindruck war: Die Stadt ist einzigartig! Nicht dieses „einzigartig“, was man den meisten StĂ€dten zuschreibt, nur weil es in ihrer unmittelbaren Umgebung keine andere Stadt gibt, die diese ersetzen könnte. Einzigartig, weil es die wahrscheinlich originellste Großstadt ist, die ich jemals gesehen habe. Möglicherweise der Silberschweif der Tatsache, dass der Iran wĂ€hrend der letzten 10 Jahre von Touristen und „der Globalisierung“ so gut wie abgeschnitten war. Ein seltenes StĂŒck touristisch und kommerziell unbefleckter, wohl gepflegter kultureller Einzigartigkeit. Hier ein paar Bilder von diesem Spaziergang:

WĂ€hrend meiner ersten drei Tage in Teheran lernte ich außerdem den grĂ¶ĂŸten Teil meines Ă€ußerst umfangreichen Farsi-Vokabulars. Hier ist, was ich gelernt habe:

Ich bin Joseph! – Man Joseph hastam!
Ich komme aus Deutschland! – Man almane hastam! (Man erkennt das Muster…)!
Danke/Dank dir! – Motshakaer/Motshakaeram!
Ja – Are
Hallo! – Salam!
Sob Bekher! – Guten Morgen!
Auf Wiedersehen – Khodafez (Wörtlich „Gott rette dich!“)

Und, zu guter Letzt:

Man Iran ra dust daram! – Ich liebe Iran! (Die wörtliche Übersetzung ist interessanterweise „Ich habe Iran als Freund!“)

FĂŒr Alle, die sich nun wundern, was „Farsi“ ist: Farsi ist, was die Araber aus dem Wort „Persisch“ machten als sie etwa 651 n. Chr. Persien eroberten. Sie hatten Schwierigkeiten das „p“ auszusprechen, und so wurde daraus ein „f“. Mit der Zeit wandelte sich „pers“ so zu „fars„.

Apropros: Alles in Allem scheinen die Perser eine recht bipolare Beziehung zu den Arabern zu haben. Auf der einen Seite teilen sie sich eine Religion (den Islam, natĂŒrlich.) Auf der anderen Seite sind sie sich natĂŒrlich nicht mal an dieser Stelle ganz einig: Die meisten Araber (abgesehen vom Irak) sind Sunnis, die Iraner hingegen zu etwa 95% Shiiten. (Faszinierend fand ich die grobe Analogie zu den Konflikten zwischen Protestantismus und Katholizismus: Genauso wie sich die Protestanten gegen den Glauben stemmen, dass Jesus Petrus zu seinem direkten Nachfolger auserkohr, sind sich Sunnis und Shiiten in genau der Frage uneinig, ob Mohammed Imam Ali zu seinem Nachfolger ernannte. Hier endet diese Analogie jedoch auch schon, da die Sunnis wirklich in keinster Weise die Reformer unter den Muslimen sind.)

Die Unterschiede zwischen arabischer und persischer Kultur gehen jedoch ĂŒber religiöse Fragen hinaus, wenn man die Tatsache bedenkt, dass viele Iraner lediglich Pro-Forma Muslime sind (da Religionslosigkeit im Iran unter Todesstrafe steht). Wenn das fĂŒr den versierten Leser nun ĂŒberraschend klingt (in etwa: „Was? Nicht-religiöse Iraner?“ oder „Persische Kultur? Was in der Welt soll das sein!“), hier eine kleine AufklĂ€rung: Bis 1979 war die Islamische Republik Iran das Persische Königreich. Dieses war sehr stark westlich geprĂ€gt (und prĂ€gte sicher auch in umgekehrter Richtung den Westen sehr stark). Dieses moderne Persien war am Ende jedoch so stark von dem großen Anteil an Muslimen in der Bevölkerung distanziert, dass sich diese bedroht fĂŒhlten, um Imam Khomeini herum versammelten, die Islamische Republik grĂŒndeten, und den Shah des Landes verwiesen. Bis heute jedoch gibt es eine große Schattenpopulation an Nicht-Muslimen, die nach der Revolution nun meiner Erfahrung nach dazu tendieren, die alte Monarchie zu idealisieren. Hier jetzt die ganze Geschichte, etwas detaillierter:

EIN LAND, DAS SICH IN SEIN SCHNECKENHAUS ZURÜCKGEZOGEN HAT

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben wohl schon mindestens ein- oder zwei Mobber getroffen. Ich persönlich sicherlich ein paar, und diese haben mich mit hoher Wahrscheinlichkeit charakterlich beeinflusst. ZurĂŒckhaltender, vorsichtiger gegenĂŒber ĂŒbermĂ€ĂŸig populĂ€ren Persönlichkeiten, und hingezogener zu Außenseitern. Der Iran hat in seiner langen Geschichte, vor allem jedoch im jĂŒngsten Teil derselben, einige Mobber getroffen, von denen einer sicherlich zu den grĂ¶ĂŸten der Welt gehört: Winston Churchill.

Perserreich_500_v.ChrFĂŒr eine lange Zeit zĂ€hlte Persien selbst zu den Mobbern. 550-330 v. Chr. spannte sich das Persische Königreich (Das AchĂ€menidenreich) ĂŒber Griechenland, Ägypten, die TĂŒrkei, Syrien, den Iran und Nordindien (grĂ¶ĂŸtenteils zurĂŒckgehend auf die Errungenschaften von Xerxes I.). „Indien“ (damals u.a. das Mughalische Reich) wurde von den Persern ein zweites Mal 1739 erobert, als Nadir Shah, der so genannte „Persische Napoleon“, in Delhi einmarschierte. (Das war ĂŒbrigens auch der Zeitpunkt, an dem  der Koh-i-Noor [Lichtberg] und der Daria-i-Noor [Lichtsee], die zwei grĂ¶ĂŸten Diamanten der Welt, Indien zum ersten Mal verließen.)

Im Laufe des 19. Jahrhunderts allerdings Ă€nderten sich die Dinge. Die herrschende Qajar-Dynastie verlor gegenĂŒber dem Russischen Reich von Norden und den Briten von Nordwesten (Afghanistan) her immer mehr an Einfluss. Und so begann eine Art Jahrhundert des Mobbings. Dementsprechend besetzten russische und britische Truppen den Iran erstmals wĂ€rend des I. Weltkrieges. Britische PlĂ€ne, den iran mittels des anglo-iranischen Vertrages von 1919 in das Empire einzugliedern schlugen jedoch fehl. 1925 allerdings gelang mit der Machtergreifung Reza Schah Pahlawis eine Ablösung der machtlosen Qajars.

Interessanterweise liierte Reza Shah Pahlawi den Iran ökonomisch sehr stark mit Deutschland. Er war wohl auf der Suche nach einem Gegengewicht gegenĂŒber dem britischen Einfluss, und wenn man Wikipedia Glauben schenken mag, war „(Nazi) Deutschland glĂŒcklich diese Rolle zu ĂŒbernehmen“. (An dieser Stelle fĂŒhle ich mich  versucht zu erwĂ€hnen, dass das Wort „Iran“ dem persischen „Aryan“ entstammt, eine Allianz mit dem Iran war also etymologisch im Einklang mit der NS-Rassenpolitik.) Schon im Vorfeld des II. Weltkriegs wurde Deutschland somit Irans wichtigster Handelspartner. Dies stellte sich im Lichte der kommenden Ereignisse natĂŒrlich als eine recht unglĂŒckliche Wahl dar. Aber die Sympathie zu (politischen) Außenseitern (im Sinne einer PrĂ€gung durch die Mobber) schien sich bemerkbar zu machen.

Als der II. Weltkrieg dann ausbrach, fand sich der Iran zwischen den Fronten wieder, und wĂ€hlte daher NeutralitĂ€t. Wiederum eine unglĂŒckliche Wahl. Weder die Sowjetunion noch die Briten wollten eine ressourcenreiche, strategisch gut platzierte Quasi-Achsenmacht in ihrer Mitte einfach so akzeptieren. Daher besetzten sie den Iran ein zweites Mal, zwangen Reza Pahlawi Shah ins Exil, und gaben den Posten statt dessen an dessen Sohn weiter, Mohamed Reza. Immer druff!

The Anglo-Iranian Oil company being renamed.

Nach dem II. Weltkrieg kannte Churchill den Iran recht gut (immerhin war eine der entscheidenden Kriegskonferenzen der Alliierten die Konferenz von Teheran 1943). Der Grund, warum der Iran wichtig wurde, waren natĂŒrlich die Ölreserven. Und obwohl der Iran niemals eine britische Kolonie war, haben britische Ölfirmen (*hust* BP *hust*, vormals die Anglo-Iranische Ölgesellschaft), in quasi-kolonialer Art und Weise in persische Ölfelder investiert, und brachten dem Empire riesige Gewinne.

Unter UmstĂ€nden ist es sicher fair, den Briten wenigstens ein bisschen Nostalgie im Blick auf ihr nach dem II. Weltkrieg schwindendes Empire nahezulegen. Weiterhin könnte man wohl schließen, dass sich diese Nostalgie in einer auffĂ€lligen Selbstwahrnehumg von ungerechter Behandlung, wenn nicht sogar EntschĂ€digungsberechtigung niederschlug. Die Selbstwahrnehmung wandelte sich vielleicht von „Wir sind friedliebende WohltĂ€ter“ zu „Wir sind nervige Mobber, die jede Gelegenheit nutzen, die Welt an unsere vormalige Wichtigkeit zu erinnern“ (Zumindest stelle ich mir das so vor). (Wenn das nun leicht passiv-aggressiv klingt: Ich gebe zu, ich habe mit dem Vereinigten Königreich noch ein HĂŒhnchen zu rupfen. HauptsĂ€chlich wegen der ruhmlosen Beteiligung am Irakkrieg, der Rolle des GCHQ im Five-Eyes BĂŒndnis, der Lobby gegen EU-weite Finanzreformen, und der Nicht-Beteiligung an einer europĂ€ischen Lösung in der aktuellen FlĂŒchtlingskrise, nur um ein paar GrĂŒnde zu nennen.)

Eine solche Gelegenheit ergab sich 1953, als der erste demokratisch gewĂ€hlte Premierminister des Iran, Mohammad Mosaddegh, plante, die Vermögen der Anglo-Iranischen Ölgesellschaft (AIOC) zu verstaatlichen. Churchill ĂŒberzeugte Roosevelt, dass Mosaddegh seines Amtes enthoben werden mĂŒsse und folglich fĂŒhrten die CIA und der MI6 gemeinsam die „Operation AJAX“ durch, welche den Sohn Reza Shah Pahlawis, Mohamed Reza, wieder an die Macht brachte. (Dies ist ĂŒbrigens nun nach Jahren der Leugnung öffentliche Information, und Obama entschuldigte sich im Namen der USA wĂ€hrend seiner Rede in Cairo 2009 dafĂŒr.)

Mohamed Reza Shah Pahlawi war von utopischen Visionen westlicher Progression mindestens so inspiriert, wie er von den LebensrealitĂ€ten der Iraner losgelöst war. ErmĂ€chtigt vom westlichen Block fĂŒhlte er sich vielleicht ein wenig unbesiegbar. Er bekĂ€mpfte sozialistische Bewegungen innerhalb Irans mit rĂŒcksichtsloser BrutalitĂ€t, und vielleicht dachte er, dass dies die Gunst seiner westlichen WohltĂ€ter im gegenĂŒber sogar noch steigern wĂŒrde. Leider ĂŒberspannte er den Bogen in dieser Hinsicht vielleicht ein wenig, als der Iran 1960 die OPEC mitgrĂŒndete, und sich damit mehr oder weniger indirekt an der Ölkrise von 1973 beteiligte, welche die OPEC in Protest gegen die  U.S.-„Entwicklungshilfen“ fĂŒr Israel wĂ€hrend des Yom-Kippur Krieges veranlasste.

Die Loslösung von seinem Volk, parallel zur schrittweisen Distanzierung seiner UnterstĂŒtzer, fĂŒhrte dann zum freien Fall. Im Jahr 1979 setzte die Islamische Revolution den Monarchen ab und beendete sein Königreich. Der neue Iran war, nach den quĂ€lenden Erfahrungen toxischen Engagements fremder MĂ€chte wĂ€hrend der vorangegangenen 100 Jahre, sehr wachsam gegenĂŒber auslĂ€ndischen EinflĂŒssen. Und meiner (zuegegebenermaßen begrenzten) Erfahrung nach ist dieser Iran immernoch gewissermaßen „in sein Schneckenhaus zurĂŒckgezogen“. In diesem Sinne, ohne den Schrecken legitimieren zu wollen, aber vielleicht den interpretativen Horizont ein wenig zu erweitern: Wenn ihr das nĂ€chste Mal von diesem Raketentest oder jenem inhaftierten Journalisten hört: Vielleicht ist es eine Überlegung wert, ob es sich dabei zum Teil auch um eine sehr emotionale Reaktion auf ein Jahrhundert des Missbrauchs handelt?

DAS LEBEN GEHT WEITER

In den folgenden drei Tagen entdeckten wir Teheran. Das war natĂŒrlich bei Weitem nicht genug Zeit, diese 9-Millionen-Einwohner-Stadt auch nur oberflĂ€chlich, geschweige denn in GĂ€nze kennen zu lernen. Aber worum sich der grĂ¶ĂŸte Teil unserer Urlaubsplanung drehte: „genĂŒgend um die wichtigsten SehenswĂŒrdigkeiten abzudecken“. (Ich stimme zu: Das klingt armselig, und ich hĂ€tte viel mehr Zeit dort verbringen sollen!) Am Sonntag besuchten wir Golestan, den Palast der Qajar-Dynastie. Wir hatten GlĂŒck und kamen am „Nationalen Museumstag“ an, sodass wir freien Eintritt hatten! Golestan ist hauptsĂ€chlich ein typischer Palast des 19. Jahrhunderts. Interessant, besonders in der Hinsicht, dass sie den hohen Grad an VerschrĂ€nkung unter den Monarchien zeigte, fand ich eine Ausstellung von diplomatischen Geschenken, die sich im Palast im Laufe der Zeit angesammelt hatten. Ich sah eine Schreibmaschine aus Amerikanischer Produktion, deutsche Porzellanwaren und Fernrohre, und russische Samoware. Globalisierung!

Danach bekam ich jedoch eine noch beeindruckendere Zur-Schau-Stellung royalen Reichtums zu sehen: Die Kronjuwelensammlung des Iran („Die nationale Schatzkammer“). Eingeschlossen in einem (wahrscheinlich) atomsicheren Bunker unter der Zentralbank in Teheran, werden zum Beispiel solche Sachen gelagert:

An approximately 1,5m tall, jewel-studded globe from the Iranian National Treasury, dating back to the Qajar-Era.
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Cyrus Reza Pahlawi, the Sha’s son, who now lives in Maryland.

Am nĂ€chsten Tag besichtigten wir den Palast (oder genauer: die PalĂ€ste) der letzten persischen Dynastie, der Pahlawis: den Sadobod-Komplex. Heutzutage handelt es sich hierbei um einen Park von Museen, von denen die Villa der Pahlawis tatsĂ€chlich nur eines ist. Wir besichtigten das königliche Auto-Museum, welches eine teuer aussehende Sammlung kugelsicherer Mercedes- und Rolls-Royce-Limousinen zur Schau stellte. Am denkwĂŒrdigsten fand ich jedoch dieses Bild des Sohnes von Mohamed Reza Shah Pahlawi.

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A bored recruit at the military history museum.

Danach besichtigten wir das MilitĂ€rmuseum, welches Waffen ausstellt. Die eigentliche Hauptattraktion jedoch war die personelle Ausstattung des Museums mit sichtlich gelangweilten Zwangsrekruten, fĂŒr die offensichtlich keine andere BeschĂ€ftigung vorhanden ist. Und am Ende nun endlich die eigentliche Villa.

Carter meeting Mohamed Reza Pahlawi Shah in 1978
Carter meeting Mohamed Reza Pahlawi Shah in 1978

Da es sich bei dieser nun tatsĂ€chlich um ein GebĂ€ude aus dem 20. Jahrhundert handelt, welches unter Anderem auch von Jimmy Carter besucht wurde, war es historisch etwas zu nah, um „einfach nur ein weiterer Palast“ zu sein. Ich habe verschiedene Reden von Jimmy Carter gesehen, und bin ein großer Fan der Carter-Foundation, die in Afrika den Guinea-Wurm ausgerottet hat. (Die erste Regel der Carter-Foundation ist außerdem „Versagen ist eine Möglichkeit“, was ich sehr weise finde und direkt fĂŒr mich adaptiert habe). Jedenfalls besuchte zum Beispiel auch die Apollo-11 Crew 1969 den Shah. Fast 10 Jahre danach, am 31. Dezember 1978, feierte Carter im Palast mit dem Shah Silvester, was vor dem Hintergrund eines wachsenden anti-amerikanischen Sentiments in der iranischen Bevölkerung wohl ein  weiterer Nagel in Pahlawis politischem Sarg war.

Am nÀchsten Tag, Dienstag, gönnten wir uns eine Pause von der Geschichte, und machten uns auf zu einer Morgenwanderung durch die wundervollen Berge, die Teheran von Norden her umgeben (Mir sind dabei spontan Szenen von Minas Tirith aus Herr der Ringe eingefallen!) :

ZEITREISE

time_travelTeheran war seit 1789 die Hauptstadt des persischen Königreiches. Davor war es die Stadt Esfahan. Davor war es (etwa bis 1509) (grob) die Region Shiraz. Und LANGE davor regierten Darius und sein Sohn Xerxes von den Hallen von Persepolis aus, bis Alexander etwa 330 v.Chr. die Party auflöste. Auf einer Karte sieht das in etwa so aus:

Die offensichtliche Beobachtung: Im Laufe der Geschichte wanderte die Hauptstadt immer weiter nach Norden, was dieser einen wohligen Panzer von Norden her verschaffte. Deshalb fĂŒhlt sich eine sĂŒdwĂ€rts gewandte Reise entlang dieser Linie, wie Kasra und ich sie nun antreten sollten, eben ein wenig wie eine Zeitreise in die Vergangenheit an.

ESFAHAN

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Me befriending a particularily attached cat in Tehran

Am Mittwoch dem 30. September bestiegen wir also unsere Busförmige Zeitmaschine und machten uns auf die Reise sĂŒdwĂ€rts. Wir hatten etwa eine halbe Stunde bevor der Bus abfuhr, und machten einen kleinen Spaziergang. In touristischer Manier entschied ich mich natĂŒrlich, mich mit einer Katze in einem nahe gelegenen Park anzufreunden.

Nach etwa fĂŒnf Stunden Fahrt durch eine zeitweise unerhört schöne WĂŒstenlandschaft, erreichten wir unser Hotel in Esfahan. Heutzutage ist die Stadt hauptsĂ€chlich als Irans Kulturhauptstadt bekannt (Angabe ohne GewĂ€hr). Außerdem ist sie wesentlich konservativer als Teheran. Als Heimat der Elite der persischen Teppichmanufakturen war die Stadt jedoch ein international berĂŒhmtes Touristenziel und bekam den Spitznamen „Nesf-e Jahan“, was „Die halbe Welt“ bedeutet: Da man dort tatsĂ€chlich ÂŽdie halbe WeltÂŽ treffen konnte.

Isfahan wurde hauptsĂ€chlich von der Safavid-Dynasty (1501-1722) erbaut, welche es zum ersten Mal nach etwa 500 Jahren schaffte, Persien zu vereinen. Die fĂŒr mich beeindruckendste StĂ€tte dort war ein riesiger Platz, der Naqsh-e Jahan Platz. RĂŒckblickend war dieser wohl unter den eindrĂŒcklichsten Orten, die ich im Iran ĂŒberhaupt gesehen habe, wegen der reinen Zahl an zu betrachtenden Dingen. Erst einmal ist da natĂŒrlich dieser riesige Platz. Nun ist dieser aber auch von ausschließlich interessanten Dingen umgeben: ZunĂ€chst gibt es da eine alte zeremonielle Plattform mit nachgelagertem Palast, dem so-genannten Ali-Qapu Palast. (Lustigerweise traf ich dort ein paar deutsche Touristen aus Leipzig, und wir hatten alle etwas Spaß damit, mitten im Iran unsere SĂ€chsisch-Kenntnisse auszutauschen). Auf der anderen Seite des Platzes befindet sich der schönste GebĂ€udeeingang, den ich je gesehen habe: der Eingang zur Scheich-Lotfollah-Moschee. Wo kein Palast und keine Moschee ist, befinden sich LĂ€den, die ausschließlich schöne und interessante Dinge anbieten. Im Nachhinein kann ich nicht sagen, wie viel Zeit ich damit verbracht habe, einfach nur an den Schaufenstern vorbeizustrolchen. Aber am Ende gab ich dort etwa 100 Euro fĂŒr interessant benĂ€hte TĂŒcher und KĂ€stchen aus Kamelknochen aus 🙂

Außerdem gibt es in Esfahan ein paar der schönsten FußgĂ€ngerbrĂŒcken der Welt; Die Marnan-BrĂŒcke (1599), die Si-o-se Pol (1632), und die Khaju-BrĂŒcke (1650).

Me and Kasras brother enjoying some free tea in Esfahan.
Me and Kasras brother enjoying some free tea in Esfahan.

Zur Genießbarkeit des Aufenthaltes insgesamt trug wohl auch die Tatsache bei, dass sich die ganze Stadt in guter Laune befand wegen des Eid-Festes: Man versammelt sich und verteilt kostenloses Essen in WertschĂ€tzung der Tatsache, dass Abraham seinen Sohn Jakob nicht umbrachte, und so Gottes Test bestand. Auch ich bekam kostenlos Tee, Joghurt und Snacks; und war in Folge dessen besonders glĂŒcklich ĂŒber Abrahams Mangel an Wahnsinn.

Alles in allem war Esfahan einfach nur wunderschön. Nebenbei erwÀhnt war es auch der Ort, an dem ich mich mit den meisten Ladenbesitzern anfreundete. Zum Beispiel diesem Handwerker, der mir in gebrochenem Deutsch von seinen Erlebnissen in Hamburg erzÀhlte:

esfahan-009Oder dieser FruchtverkÀufer, bei dem ich ein Kilo Trauben kaufte:random-006

SHIRAZ

Nach einer guten Nacht Schlaf (und ein paar ausgezeichneten Weintrauben zum FrĂŒhstĂŒck) setzten wir unsere Zeitreise fort und bestiegen den Bus nach Shiraz. Die Landschaft auf diesem Weg war sogar noch fotogener als jene auf dem Weg nach Esfahan:

shiraz-004Unser Hotel war eine Ă€ußerlich leicht an die 80er erinnernde Anlage im Nordosten der Stadt, welche den inspirierenden Namen „Touristenhotel“ trug, sodass bezĂŒglich ihres Zweckes definitiv keine MissverstĂ€ndnisse entstehen konnten. In Shiraz liegt außerdem das teuerste Hotel im Iran, das Grand Hotel Shiraz, welches (natĂŒrlich) wĂ€hrend der Pahlawi-Ära gebaut wurde. EinprĂ€gsam, da wenn man die Stadt bei Nacht von Norden her anfĂ€hrt, einem dieses wie ein riesiges Raumschiff entgegenleuchtet.

In der Retrospektive muss ich Folgendes feststellen: Die Tatsache, dass ich nur zwei Tage in Shiraz und einen Tag in Esfahan verbracht habe, hat mir einen falschen Eindruck von der GrĂ¶ĂŸe dieser StĂ€dte vermittelt. Shiraz hat eine beeindruckende Zahl von 1,4 Millionen Einwohnern und Esfahan hat 1,7. Da ich die Stadtzentren allerdings nie wirklich verließ, fĂŒhlten sich diese fĂŒr mich wesentlich kleiner an. Von dem Ausmaß meiner UnterschĂ€tzung bin ich immernoch beeindruckt, vor Allem bei Shiraz, wo ich mich um GrĂ¶ĂŸenordnungen verschĂ€tzte. Eine weitere Bemerkung: Iraner scheinen einen mir sehr sympathischen Geschmack in ihrer Wahl deutscher PartnerstĂ€dte zu besitzen: Die Partnerstadt von Esfahan ist Freiburg, und jene von Shiraz is Weimar!

Shiraz wird auch „Die GeburtsstĂ€tte Persiens“ genannt. Aber wesentlich wichtiger: Wikipedia nach handelt es sich auch um den Geburtsort des Weines! Die Ă€lteste jemals gefundene archĂ€ologische Weinprobe stammte aus der Region Shiraz, und wurde auf ein atemberaubendes Alter von 7.000 Jahren datiert! Bis heute finanziert diese Weinprobe Irans Atomprogramm. Na gut, Scherz.

Die Stadt selbst ist etwa 4.000 Jahre alt, und verschiedene persische Könige etablierten dort im Laufe der Geschichte ihre Hauptstadt. Interessanterweise war selten Shiraz selbst die Hauptstadt, aber hÀufig waren es StÀdte in ihrer unmittelbarer Umgebung:

  • Die Stadt war etwa 40 km entfernt von der Hauptstadt des AchĂ€menidenreiches, Persepolis (550-330 v.Chr.)
  • Sie war gleichsam nahe an Ishtakhr, der Hauptstadt des Sassanidenreiches (200-650 n.Chr.)
  • FĂŒr kurze 110 Jahre war es die Hauptstadt des Buwayhidenreiches (945-1055)
  • In einem kleinen Bruch mit der Zeitreise-Geschichte, machte die Zand-Dynasty Shiraz kurz zu ihrer Hauptstadt, von 1762 bis 1789, bis die Qajars endlich an die Macht kamen und die Party nach Teheran verlagerten (Diese Ablösung liest sich ĂŒbrigens wie ein Kapitel aus dem alten Testament oder eine besonders blutrĂŒnstige Folge von Game of Thrones: Der letzte Sohn der Zands, Lotf Ali Khan, versteckte sich in der Stadt Kerman vor der Qajar-Armee. Nachdem ein paar seiner MĂ€nner ihn wohl verrieten und die Tore der Stadt öffneten, rĂ€chte er sich an den Einwohnern von Kerman, indem er 20.000 AugĂ€pfel aus diesen extrahierte, und diese dem siegreichen AnfĂŒhrer der Qajaren vorwarf. Als Rache dafĂŒr wurde Lotf Ali Khan geblendet, kastriert, eingekerkert, gefoltert und vergewaltigt vom ersten Qajaren-Khan, Agha Mohammad Khan. Nun ja.)
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Scene depicting Kharim Khan Zand in his citadel with the royal ministers.

Die GebĂ€ude, die wir in Shiraz anschauten, wurden hauptsĂ€chlich von Kharim Khan Zand wĂ€hrend der kurzen 30 Jahre seiner Herrschaft in der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Kharim Khan Zand weigerte sich, den Titel des Shah anzunehmen, statt dessen entschied er sich fĂŒr „Vakil e-Ra’aayaa“; „ReprĂ€sentant des Volkes“, was wohl erklĂ€rt, warum die Herrschaft der Zands nur etwa 30 Jahre andauerte.

Zuerst besuchten wir die Karim Khan Zitadelle, die in EINEM JAHR, von 1766 bis 1767 erbaut wurde, obwohl sie mich  von  der Architektur her eher an eine romanische Burg des 11. Jahrhunderts erinnerte. Innen hatte sie einen wunderschönen Garten, beeindruckend gestaltete WĂ€nde und ein Badehaus. Aber definitiv nichts ĂŒbermĂ€ĂŸig Luxuriöses, was mir Kharim Khan recht sympathisch erscheinen ließ. Danach besichtigten wir ein öffentliches Badehaus, welche Kharim Khan fĂŒr sein Volk erbauen ließ. Meine Stimme hĂ€tte er!

Danach besichtigten wir Irans grĂ¶ĂŸte Moschee, die Vakil Moschee, die ebenfalls von Kharim Khan erbaut wurde. Die erste Moschee, die ich jemals besucht habe! Das gesamte GebĂ€ude war wunderschön, aber ein Detail fand ich besonders interessant: Um wĂ€hrend des Gebetes den sozialen Rang des Imams abzuwerten, gab es speziell zu diesem Zweck ein etwa 50 cm tiefes Loch im Boden vor dem Altar. Fortschrittlich!

PERSEPOLIS

Als am nĂ€chsten Tag die Sonne aufging, begaben wir uns nach Perspepolis, dem Ziel unserer Reise. Ich fĂŒhle mich ein wenig subqualifiziert fĂŒr den Versuch, die enorme Faszination, die noch immer von diesem GebĂ€ude ausgeht, in ein paar AbsĂ€tzen weiterzugeben. Persepolis ist einfach die historische Touristenattraktion des Iran, auf einer Ebene mit den Pyramiden von Gizeh und der Akropolis in Athen.

Persepolis wurde ursprĂŒnglich als eine von König Darius I. vielen Residenzen errichtet, der Hauptzweck war allerdings nach heutigen Erkenntnissen wohl der eines Sammelpunktes fĂŒr ReprĂ€sentanten aus allen Teilen des AchĂ€menidenreiches wĂ€hrend der Neujahrszeremonien. Ein Machtsymbol zum Aufschauen fĂŒr die Untergebenen.

persepolis-005Aus linguistischer Perspektive handelte es sich bei Persepolis um eine Schatzkiste aus Korpusmaterial – von Grundsteinen die von Xerxes selbst beschrieben wurden, bis zu Buchhaltungstafeln die beweisen, dass Persepolis nicht von Sklaven erbaut wurde!

persepolis-002Nach dem Fall des AchĂ€menidenreiches diente die Festung hauptsĂ€chlich als Baumaterialquelle fĂŒr umliegende StĂ€dte, vor allem fĂŒr die Hauptstadt des Sassanidenreiches, Ishtakhr. Im Laufe der Zeit ging das Wissen ĂŒber die Herkunft der StĂ€tte immer mehr verloren. Die ersten ernsthaften archĂ€ologischen Untersuchungen wurden in den 1930er Jahren durch den deutschen ArchĂ€ologen Ernst Herzfeld durchgefĂŒhrt, mit Mitteln des Orientalischen Institutetes der University of Chicago. Wer sonst!

EINPACKEN

Am Morgen des nĂ€chsten Tages bestiegen wir auf dem Flughafen Shiraz unser Flugzeug fĂŒr den RĂŒckflug nach Teheran. Die letzten zwei Tage strolchte ich mit Kasra durch die Stadt, kaufte ein paar last-minute-Andenken und nahm tiefe AtemzĂŒge im Verlangen nach dringend benötigtem Sauerstoff, der zur Verarbeitung der voluminösen Erlebnisse der vorangegangenen 10 Tage wohl nötig war.

Ein paar kleine Dinge gibt es jedoch noch, ĂŒber die ich gerne reden möchte:

  1. WĂ€hrung und Zahlen: Im Iran Geld auszugeben, ist kein triviales Unterfangen. Ersteinmal muss man es schaffen, das Geld ins Land zu bringen, was nur in Bar geht, da weder EC- noch Kreditkarten wegen der aktuellen Sanktionen funktionieren. Dann muss man feststellen, wie viel man braucht. Wer beim ZĂ€hlen von Nullen gut ist hat hier einen klaren Vorteil, denn der Kurs Euro-Rial liegt aktuell bei 1:3800. random-002Wenn man das Geld dann auf der Hand hat, muss man wissen, was ein Schein denn so Wert ist. Denn wĂ€hrend die EuropĂ€er die arabischen Zahlen adaptiert haben, haben viele arabische LĂ€nder inklusive des Iran die Hindu-arabischen Zahlen angenommen, die hier so aussehen: ٠‎ ÙĄâ€Ž Ùąâ€Ž ÙŁâ€Ž ـ‎ ل‎ ي‎ ٧‎ ٚ‎ Ù© . Nun kann der versierte Leser fast schon persische Preisschilder lesen. Fast, da man wissen muss, dass es im Iran mehrere WĂ€hrungen gibt: Den offiziellen Rial (1:3800), den halboffiziellen Toman (1:380), und dann die StraßenwĂ€hrung, in der einfach alle Nullen weggelassen werden (Kasras Bruder stellte mir diese als „G“ vor):  1:3.8. Verwirrung entsteht hauptsĂ€chlich zwischen Rial and Toman.
  2. Wirkungslosigkeit des Hijab: Bekannterweise lehrt der Islam ja, wie viele andere Religionen auch, die inherente Bosheit der SexualitĂ€t, weshalb diese wann immer möglich unterdrĂŒckt werden muss. Speziell böse und unterdrĂŒckungsbedĂŒrftig ist selbsterklĂ€renderweise weibliches Kopfhaar. Deshalb mĂŒssen Frauen im Iran in der Öffentlichkeit ihre Haare mit Hilfe eines StĂŒckes Stoff, des „Hijab“, bedecken. Da Frauen hinterlistige Teufel sind fanden sie heraus, wie man den Hijab so tragen kann, dass es in keinster Art und Weise dessen ursprĂŒnglicher Bestimmung entspricht.
  3. Irans Beziehung zu Deutschland: Wie bereits erwĂ€hnt, hatte Persien (und spĂ€ter der Iran) eine hochinteressante Beziehung zu Deutschland seit dem Machtantritt der Pahlawis. Irans RivalitĂ€t mit gleich zwei allierten MĂ€chten (der UdSSR und GB) brachte das Land in eine Art natĂŒrliche Allianz mit Deutschland, was u.a. in massivenmonument_germany_support_iraq BauauftrĂ€gen fĂŒr deutsche Firmen wĂ€hrend des gesamten 20. Jahrhunderts resultierte, von Eisenbahnstrecken bis zu Atomkraftwerken. Auf der anderen Seite gibt es natĂŒrlich auch einige Streitpunkte: Zum Beispiel lieferten deutsche Chemiekonzerne wohl in den 60er und 70er Jahren Wissen ĂŒber ABC-Technologie an Saddam Hussein, was wohl in Hohem Maße zu dessen  Sarin-VorrĂ€ten beitrug, welche er im Iran-irak-Krieg in den 1980er Jahren gegen den Iran einsetzte. Es gibt vor der deutschen Botschaft in Teheran ein Manmahl, welches an die unrĂŒhmliche Rolle deutscher Technologiekonzerne in dieser Hinsicht erinnert.
  4. Auf der anderen Seite gab es in Teheran diese wunderschöne Lichtinstallation zur Feier des 25. Jahrestages der deutschen Einheit, welcher in die Zeit meines Aufenthaltes fiel.
  5. Kalender: Iraner haben nicht einen oder zwei, nein drei Kalender: Den persischen Sonnenkalender, den arabischen Mondkalender, und den Gregorianischen: Im Iran ist daher im Moment gleichzeitig das jahr 2015, 1394 and 1437. Quelle: http://www.iranchamber.com/calendar/converter/iranian_calendar_converter.phpend-004
  6. Katzen: Die Liebe der Perser zu Stolz und Luxus bringt sie auch in eine natĂŒrliche Allianz mit Katzen. Ich war ĂŒberrascht davon, wie viele unglaublich fotogene wilde Katzen ich im Iran gesehen habe!
  7. Essen: Persisches Essen ist unter dem Besten das ich jemals gegessen habe. Vor allem die Backwaren sind unglaublich gut!

Also, besucht den Iran! ich werde definitiv wieder hinfahren (Leider bin ich u.A. nicht dazu gekommen, das Kaspische Meer, den Persischen Golf und die WĂŒste zu erkunden!). Historisch gehesen ist es natĂŒrlich ein unglaublich wichtiges Land, und ich kann jedem nur empfehlen, einen tiefen Atemzug davon zu nehmen!

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