Abschied aus Ghana

Es sind nun noch gut zwei Wochen bis ich Ghana vorerst das letzte „Yebeshia!“ – „We will see each other!“ sagen werde. Gerade habe ich fĂŒr den 7.8. meinen Flug nach Hause gebucht (Dieses Mal mit Moroccan Airlines! Ich habe vertrauen in euch!)

Ich verlasse Ghana mit sehr gemischten GefĂŒhlen. Auf der einen Seite freue ich mich auf Deutschland. Eines meiner Hauptziele in Ghana war, mir persönlich darĂŒber klar zu werden wer ich bin und was ich will. Dieses Ziel habe ich definitiv erreicht. Die Flut an wichtigen Erfahrungen hier hat viele kleine Steine aus meinem Kopf gespĂŒlt, und mir die Möglichkeit gegeben, meinen Verstand auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich habe viele Erkenntnisse ĂŒber mich Selbst erlangt, und das ist genial!

Auf der anderen Seite steht das GefĂŒhl, nichts zurĂŒckgegeben zu haben. Das ist vielleicht ein Kindheitstrauma von mir, dass ich stĂ€ndig denke mich fĂŒr Alles revanchieren zu mĂŒssen. Aber je nĂ€her der Abflugtermin rĂŒckt (und jetzt rast er förmlich aus mich zu), desto mehr habe ich das GefĂŒhl versagt zu haben. Durch eigene FehleinschĂ€tzungen, vorschnelle Entscheidungen und unĂŒberlegtes Engagement das materielle Endresultat nicht maximiert zu haben. Ich weiß, dass die Organisation fĂŒr die ich arbeite jetzt nicht weiter ist als vor einem Jahr. Wir sind nicht viel berĂŒhmter oder erfolgreicher geworden. Wir konnten nicht wie erhofft durch das ICT-Projekt in Ghana der Organisation ein wirtschaftliches Standbein außerhalb der Förderung von weltwĂ€rts-Freiwilligen verschaffen.

Ein Hauptgrund dafĂŒr ist Fehlkommunikation. Ich hatte das GefĂŒhl, dass an mich riesige Erwartungen gestellt wurden, als ich im September letztes Jahr nach Ghana aufgebrochen bin. Dass sich das ICT-Projekt, welches eigentlich das Flaggschiff der Organisation sein sollte, am Abgrund befand, und ich es retten sollte. Deshalb engagierte ich mich nach allen KrĂ€ften, wirklich allen. Ich engagierte einen Vertrag der Organisation mit der Lokalverwaltung, damit wir ein lokales Ausbildungszentrum (das „MTN-Center“) fĂŒr IT-Workshops nutzen konnten. Ich startete ein Kartografie-Projekt zur Kartierung von Komenda und dem umgebenden Distrikt. Ich engagierte mich fĂŒr die Festanstellung eines Lehrers, der unabhĂ€ngig von den weltwĂ€rts-Freiwilligen in Komenda IT-Kurse anbieten sollte.

Was ich nicht bemerkte war: Ich schuf Lösungen fĂŒr Probleme die andere nicht sahen. Was mir nicht bewusst war, war wie sehr Probleme im Auge des Betrachters liegen können. In Ghana herrschen andere AnsprĂŒche an Funktion und Leistung. Und das ist verdammt gut so. (Siehe meinen vorigen Blogeintrag!) Manchmal ist weniger mehr.

problems

Denn nun stehe ich da, und frage mich, was ich denn mit all dem Engagement erreicht habe. Ich habe einen Lehrer fĂŒr AIM. „rekrutiert“, aus Respekt vor seiner PrivatsphĂ€re nenne ich ihn hier nur „S.“ S. hat zwar einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Das hatte fĂŒr ihn aber ĂŒberhaupt keine Bedeutung. Am Ende fĂŒhlte er sich unter Druck gesetzt. Seit er den Arbeitsvertrag unterschrieben hat, habe ich „S.“, der vorher ein guter Freund von mir war, nie wieder gesehen. „S.“ war auch der SchlĂŒsselverwalter des MTN-Centers. Dadurch dass er nun auf Distanz geht, nutzt uns unser Vertrag zur Nutzung des MTN-Centers nichts mehr, weil wir nicht an die SchlĂŒssel rankommen. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass dieses Trainingscenter erst dadurch nutzbar geworden ist, dass AIM. der Kommune 300 GHS geliehen hat, damit ein letztes fehlendes Stromkabel dort installiert werden konnte, was Teil des Vertrages war.

Man könnte das alles nun auf S. schieben und sagen, ok, das war ein einzelner Mensch der sich als unzuverlÀssig herausgestellt hat und zu viele FÀden in der Hand hatte. Das hat nichts damit zutun dass ich mich zu viel engagiert habe. Oder hat es das?

Nun mache ich jedenfalls ICT-Kurse mit 6-8 Leuten im kleinen muffigen 12-mÂČ-AIM-BĂŒro, von denen 4 Leute die Kinder unserer Freiwilligenmentorin sind. So klingt mein Freiwilligendienst aus.

Was nun am Ende zĂ€hlt sind aber definitiv die EindrĂŒcke und vor Allem Freundschaften die ich mitnehme. Un davon gibt es definitiv jede Menge. Ich hoffe, bald wieder nach Ghana zu kommen. Aber das nĂ€chste Mal ohne Mission.

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