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IRAN

Nun habe ich also tatsächlich 12 Tage im Iran verbracht! Aufregend! Von Allen außer-europäischen Urlaubszielen, denen ich mich bisher so zugewandt habe, war dieses wohl mit Abstand das kontroverseste. Das liegt natürlich daran, dass (Danke, 11. September) das Wort “Iran” in unserem 24-Stunden Nachrichtenzyklus hauptsächlich in antiwestlichen Kontexten vorkommt. Dies ist meiner Erfahrung nach bedingt durch einen giftigen Mix aus US/Israel-Lobby geführter Propaganda (FÜRCHTET DIE ACHSE DES BÖSEN!) and Iranisch/Russischer Gegenpropaganda (DER GROße SATAN!), welcher die westliche Öffentlichkeit in einer grauen Informations-Suppe zurücklässt, aus der sich Jeder seine Version der “Wahrheit” zusammenpicken kann. Für mich ein höchst unbefriedigender Zustand. (An dieser Stelle eine kleine Anekdote: Als ich auf dem Flughafen in München meinen Flieger nach Teheran bestieg, traf ich einen Nigerianer auf dem Weg nach Hause, der mich fragte, wohin die Reise denn ginge. Als ich stolz “Iran!” antwortete, zögerte er kurz und meinte dann: “Iran – ist das nicht gefährlich?” Dies bewies mir einmal mehr, wie hoch und umfassend das Maß an Desinformation ist, und wie relativ die Wahrnehmung von “Gefahr”.)

Die Idee, den Iran zu besuchen ist nun also schon eine Weile lang in meinem Kopf herumgegeistert. Nicht nur um die “Graue Suppe” mit einem Filter aus tatsächlicher Erfahrung zu konfrontieren, sondern da ich auch irgendwo in meinem Hinterkopf wusste, dass “Iran” für den größeren Teil der Geschichte “Persien” war, womit ich zivilisatorische Errungenschaften, Luxus und Popkultur assoziierte.

In einem Pinselstrich des Schicksals nun brachte mich meine ehemalige Wohnsituation im Studentenheim in Stuttgart in eine WG mit einem großartigen Mitbewohner aus dem – gut geraten – Iran. Kasra machte (macht) seinen Master in Umweltingenieurwesen an der Uni Stuttgart, und wie sich bald herausstellte, existierte zwischen unseren Weltbildern eine beträchtliche Schnittmenge; wir verstanden uns also recht gut. Da er für mich eine seltene Quelle originellen Wissens über das Leben im Nahen Osten war, verbrachten wir Stunden mit interviewartigem Informationsaustausch, in dem ich meine uninformierten Fragen loswerden, und er mit viel Geduld einem naiven Ausländer den Status Quo seines Landes erklären konnte.

Hauptsächlich lernte ich natürlich, dass ich so gut wie nichts wusste. Dass ich wohl oder übel meine eigenen Erfahrungen würde machen müssen, war mir nun recht offensichtlich! Den nächsten Zahltag ungeduldig erwartend, buchte ich mir postwendend einen Flug nach Teheran für den 25. Semptember. Die erste großartige Überraschung: Ein Flug in den Iran ist aktuell unerhört günstig! Für einen Flug mit Emirates, der kompromisslosen Luxusairline der Emirate, musste ich tatsächlich nur 400 Euro bezahlen. Und ich durfte in einem A380 reisen! :) Nach etwas initialer Verwirrung stellte sich auch der Visabeschaffungs-Prozess als einfach heraus; Ich würde mein Visum wohl ohne Komplikationen bei der Ankunft am Flughafen bekommen.

TEHERAN

Ich glaube, es gibt in vielen Köpfen Gedanken-Rumpelkammern, kleine Ecken des Wahnsinns, in die man normalerweise nicht hineinschaut. In meinem Kopf war alles zum Thema “Iran” eine solche Rumpelkammer. Als ich auf dem Weg in den Iran diese Kammer nun öffnete, rasten ein paar Poltergeister durch meinen Kopf, was im Nachhinein recht lustig ist. In meinem Fall war das vor allem die anschwellende Panik die mich erfasste als ich im Flugzeug saß, und ständig daran denken musste, was mir die Flughafenpolizei wohl antun würde, wenn sie die Flasche Wein entdeckten, die ich in meinem Koffer als Geschenk für Kasra dabei hatte. (Alkohol ist ja im Iran schließlich verboten.) Natürlich stellte ich mir grimmige Beamte vor, die jegliche Angst aus einer Meile Entfernung riechen würden.

Als ich dann tatsächlich landete, war die Realität wesentlich bodenständiger. Ich sollte wohl erwähnen, dass ich zu einer recht bodenständigen Tageszeit ankam, nämlich 2 Uhr früh. Mit mir kamen außerdem 40 andere Passagiere an, die ebenfalls den genialen Plan hatten, sich auf dem Flughafen um 2 Uhr früh ihr Visum zu besorgen.

Die zuständigen Beamten waren natürlich in vielerlei Hinsicht überfordert mit der Flut an begierigen Ausländern, aber meisterten die Situation mit Gelassenheit. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach etwa 90 Minuten bekam der Erste sein Visum! Er hielt seinen Pass in Luft wie eine Trophäe, und die Menge war aus dem Häuschen.

Nach etwa zwei Stunden (es war nun 4 Uhr früh) bekam auch ich mein Visum, passierte die Immigrationstische, bekam mein Gepäck und wurde mit einem freundlichen Nicken des Zollbeamten durchgewunken. Eine Minute später durfte ich Kasra und seinen Vater umarmen, die ohne jegliches Wissen über meinen Verbleib 2 Stunden lang auf mich gewartet hatten! Für alle Beteiligten wohl ein rührender Moment.

Nach einer kleinen Mütze Schlaf war ich vollkommen wach und bereit, das Land zu erkunden, über das ich nichts wusste. Gegen Abend machten Kasra und ich uns also auf zu einem ersten Spaziergang durch Teheran, und mein erster Eindruck war: Die Stadt ist einzigartig! Nicht dieses “einzigartig”, was man den meisten Städten zuschreibt, nur weil es in ihrer unmittelbaren Umgebung keine andere Stadt gibt, die diese ersetzen könnte. Einzigartig, weil es die wahrscheinlich originellste Großstadt ist, die ich jemals gesehen habe. Möglicherweise der Silberschweif der Tatsache, dass der Iran während der letzten 10 Jahre von Touristen und “der Globalisierung” so gut wie abgeschnitten war. Ein seltenes Stück touristisch und kommerziell unbefleckter, wohl gepflegter kultureller Einzigartigkeit. Hier ein paar Bilder von diesem Spaziergang:

Während meiner ersten drei Tage in Teheran lernte ich außerdem den größten Teil meines äußerst umfangreichen Farsi-Vokabulars. Hier ist, was ich gelernt habe:

Ich bin Joseph! – Man Joseph hastam!
Ich komme aus Deutschland! – Man almane hastam! (Man erkennt das Muster…)!
Danke/Dank dir! – Motshakaer/Motshakaeram!
Ja – Are
Hallo! – Salam!
Sob Bekher! – Guten Morgen!
Auf Wiedersehen – Khodafez (Wörtlich “Gott rette dich!”)

Und, zu guter Letzt:

Man Iran ra dust daram! – Ich liebe Iran! (Die wörtliche Übersetzung ist interessanterweise “Ich habe Iran als Freund!”)

Für Alle, die sich nun wundern, was “Farsi” ist: Farsi ist, was die Araber aus dem Wort “Persisch” machten als sie etwa 651 n. Chr. Persien eroberten. Sie hatten Schwierigkeiten das “p” auszusprechen, und so wurde daraus ein “f”. Mit der Zeit wandelte sich “pers” so zu “fars“.

Apropros: Alles in Allem scheinen die Perser eine recht bipolare Beziehung zu den Arabern zu haben. Auf der einen Seite teilen sie sich eine Religion (den Islam, natürlich.) Auf der anderen Seite sind sie sich natürlich nicht mal an dieser Stelle ganz einig: Die meisten Araber (abgesehen vom Irak) sind Sunnis, die Iraner hingegen zu etwa 95% Shiiten. (Faszinierend fand ich die grobe Analogie zu den Konflikten zwischen Protestantismus und Katholizismus: Genauso wie sich die Protestanten gegen den Glauben stemmen, dass Jesus Petrus zu seinem direkten Nachfolger auserkohr, sind sich Sunnis und Shiiten in genau der Frage uneinig, ob Mohammed Imam Ali zu seinem Nachfolger ernannte. Hier endet diese Analogie jedoch auch schon, da die Sunnis wirklich in keinster Weise die Reformer unter den Muslimen sind.)

Die Unterschiede zwischen arabischer und persischer Kultur gehen jedoch über religiöse Fragen hinaus, wenn man die Tatsache bedenkt, dass viele Iraner lediglich Pro-Forma Muslime sind (da Religionslosigkeit im Iran unter Todesstrafe steht). Wenn das für den versierten Leser nun überraschend klingt (in etwa: “Was? Nicht-religiöse Iraner?” oder “Persische Kultur? Was in der Welt soll das sein!”), hier eine kleine Aufklärung: Bis 1979 war die Islamische Republik Iran das Persische Königreich. Dieses war sehr stark westlich geprägt (und prägte sicher auch in umgekehrter Richtung den Westen sehr stark). Dieses moderne Persien war am Ende jedoch so stark von dem großen Anteil an Muslimen in der Bevölkerung distanziert, dass sich diese bedroht fühlten, um Imam Khomeini herum versammelten, die Islamische Republik gründeten, und den Shah des Landes verwiesen. Bis heute jedoch gibt es eine große Schattenpopulation an Nicht-Muslimen, die nach der Revolution nun meiner Erfahrung nach dazu tendieren, die alte Monarchie zu idealisieren. Hier jetzt die ganze Geschichte, etwas detaillierter:

EIN LAND, DAS SICH IN SEIN SCHNECKENHAUS ZURÜCKGEZOGEN HAT

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben wohl schon mindestens ein- oder zwei Mobber getroffen. Ich persönlich sicherlich ein paar, und diese haben mich mit hoher Wahrscheinlichkeit charakterlich beeinflusst. Zurückhaltender, vorsichtiger gegenüber übermäßig populären Persönlichkeiten, und hingezogener zu Außenseitern. Der Iran hat in seiner langen Geschichte, vor allem jedoch im jüngsten Teil derselben, einige Mobber getroffen, von denen einer sicherlich zu den größten der Welt gehört: Winston Churchill.

Perserreich_500_v.ChrFür eine lange Zeit zählte Persien selbst zu den Mobbern. 550-330 v. Chr. spannte sich das Persische Königreich (Das Achämenidenreich) über Griechenland, Ägypten, die Türkei, Syrien, den Iran und Nordindien (größtenteils zurückgehend auf die Errungenschaften von Xerxes I.). “Indien” (damals u.a. das Mughalische Reich) wurde von den Persern ein zweites Mal 1739 erobert, als Nadir Shah, der so genannte “Persische Napoleon”, in Delhi einmarschierte. (Das war übrigens auch der Zeitpunkt, an dem  der Koh-i-Noor [Lichtberg] und der Daria-i-Noor [Lichtsee], die zwei größten Diamanten der Welt, Indien zum ersten Mal verließen.)

Im Laufe des 19. Jahrhunderts allerdings änderten sich die Dinge. Die herrschende Qajar-Dynastie verlor gegenüber dem Russischen Reich von Norden und den Briten von Nordwesten (Afghanistan) her immer mehr an Einfluss. Und so begann eine Art Jahrhundert des Mobbings. Dementsprechend besetzten russische und britische Truppen den Iran erstmals wärend des I. Weltkrieges. Britische Pläne, den iran mittels des anglo-iranischen Vertrages von 1919 in das Empire einzugliedern schlugen jedoch fehl. 1925 allerdings gelang mit der Machtergreifung Reza Schah Pahlawis eine Ablösung der machtlosen Qajars.

Interessanterweise liierte Reza Shah Pahlawi den Iran ökonomisch sehr stark mit Deutschland. Er war wohl auf der Suche nach einem Gegengewicht gegenüber dem britischen Einfluss, und wenn man Wikipedia Glauben schenken mag, war “(Nazi) Deutschland glücklich diese Rolle zu übernehmen”. (An dieser Stelle fühle ich mich  versucht zu erwähnen, dass das Wort “Iran” dem persischen “Aryan” entstammt, eine Allianz mit dem Iran war also etymologisch im Einklang mit der NS-Rassenpolitik.) Schon im Vorfeld des II. Weltkriegs wurde Deutschland somit Irans wichtigster Handelspartner. Dies stellte sich im Lichte der kommenden Ereignisse natürlich als eine recht unglückliche Wahl dar. Aber die Sympathie zu (politischen) Außenseitern (im Sinne einer Prägung durch die Mobber) schien sich bemerkbar zu machen.

Als der II. Weltkrieg dann ausbrach, fand sich der Iran zwischen den Fronten wieder, und wählte daher Neutralität. Wiederum eine unglückliche Wahl. Weder die Sowjetunion noch die Briten wollten eine ressourcenreiche, strategisch gut platzierte Quasi-Achsenmacht in ihrer Mitte einfach so akzeptieren. Daher besetzten sie den Iran ein zweites Mal, zwangen Reza Pahlawi Shah ins Exil, und gaben den Posten statt dessen an dessen Sohn weiter, Mohamed Reza. Immer druff!

The Anglo-Iranian Oil company being renamed.

Nach dem II. Weltkrieg kannte Churchill den Iran recht gut (immerhin war eine der entscheidenden Kriegskonferenzen der Alliierten die Konferenz von Teheran 1943). Der Grund, warum der Iran wichtig wurde, waren natürlich die Ölreserven. Und obwohl der Iran niemals eine britische Kolonie war, haben britische Ölfirmen (*hust* BP *hust*, vormals die Anglo-Iranische Ölgesellschaft), in quasi-kolonialer Art und Weise in persische Ölfelder investiert, und brachten dem Empire riesige Gewinne.

Unter Umständen ist es sicher fair, den Briten wenigstens ein bisschen Nostalgie im Blick auf ihr nach dem II. Weltkrieg schwindendes Empire nahezulegen. Weiterhin könnte man wohl schließen, dass sich diese Nostalgie in einer auffälligen Selbstwahrnehumg von ungerechter Behandlung, wenn nicht sogar Entschädigungsberechtigung niederschlug. Die Selbstwahrnehmung wandelte sich vielleicht von “Wir sind friedliebende Wohltäter” zu “Wir sind nervige Mobber, die jede Gelegenheit nutzen, die Welt an unsere vormalige Wichtigkeit zu erinnern” (Zumindest stelle ich mir das so vor). (Wenn das nun leicht passiv-aggressiv klingt: Ich gebe zu, ich habe mit dem Vereinigten Königreich noch ein Hühnchen zu rupfen. Hauptsächlich wegen der ruhmlosen Beteiligung am Irakkrieg, der Rolle des GCHQ im Five-Eyes Bündnis, der Lobby gegen EU-weite Finanzreformen, und der Nicht-Beteiligung an einer europäischen Lösung in der aktuellen Flüchtlingskrise, nur um ein paar Gründe zu nennen.)

Eine solche Gelegenheit ergab sich 1953, als der erste demokratisch gewählte Premierminister des Iran, Mohammad Mosaddegh, plante, die Vermögen der Anglo-Iranischen Ölgesellschaft (AIOC) zu verstaatlichen. Churchill überzeugte Roosevelt, dass Mosaddegh seines Amtes enthoben werden müsse und folglich führten die CIA und der MI6 gemeinsam die “Operation AJAX” durch, welche den Sohn Reza Shah Pahlawis, Mohamed Reza, wieder an die Macht brachte. (Dies ist übrigens nun nach Jahren der Leugnung öffentliche Information, und Obama entschuldigte sich im Namen der USA während seiner Rede in Cairo 2009 dafür.)

Mohamed Reza Shah Pahlawi war von utopischen Visionen westlicher Progression mindestens so inspiriert, wie er von den Lebensrealitäten der Iraner losgelöst war. Ermächtigt vom westlichen Block fühlte er sich vielleicht ein wenig unbesiegbar. Er bekämpfte sozialistische Bewegungen innerhalb Irans mit rücksichtsloser Brutalität, und vielleicht dachte er, dass dies die Gunst seiner westlichen Wohltäter im gegenüber sogar noch steigern würde. Leider überspannte er den Bogen in dieser Hinsicht vielleicht ein wenig, als der Iran 1960 die OPEC mitgründete, und sich damit mehr oder weniger indirekt an der Ölkrise von 1973 beteiligte, welche die OPEC in Protest gegen die  U.S.-”Entwicklungshilfen” für Israel während des Yom-Kippur Krieges veranlasste.

Die Loslösung von seinem Volk, parallel zur schrittweisen Distanzierung seiner Unterstützer, führte dann zum freien Fall. Im Jahr 1979 setzte die Islamische Revolution den Monarchen ab und beendete sein Königreich. Der neue Iran war, nach den quälenden Erfahrungen toxischen Engagements fremder Mächte während der vorangegangenen 100 Jahre, sehr wachsam gegenüber ausländischen Einflüssen. Und meiner (zuegegebenermaßen begrenzten) Erfahrung nach ist dieser Iran immernoch gewissermaßen “in sein Schneckenhaus zurückgezogen”. In diesem Sinne, ohne den Schrecken legitimieren zu wollen, aber vielleicht den interpretativen Horizont ein wenig zu erweitern: Wenn ihr das nächste Mal von diesem Raketentest oder jenem inhaftierten Journalisten hört: Vielleicht ist es eine Überlegung wert, ob es sich dabei zum Teil auch um eine sehr emotionale Reaktion auf ein Jahrhundert des Missbrauchs handelt?

DAS LEBEN GEHT WEITER

In den folgenden drei Tagen entdeckten wir Teheran. Das war natürlich bei Weitem nicht genug Zeit, diese 9-Millionen-Einwohner-Stadt auch nur oberflächlich, geschweige denn in Gänze kennen zu lernen. Aber worum sich der größte Teil unserer Urlaubsplanung drehte: “genügend um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzudecken”. (Ich stimme zu: Das klingt armselig, und ich hätte viel mehr Zeit dort verbringen sollen!) Am Sonntag besuchten wir Golestan, den Palast der Qajar-Dynastie. Wir hatten Glück und kamen am “Nationalen Museumstag” an, sodass wir freien Eintritt hatten! Golestan ist hauptsächlich ein typischer Palast des 19. Jahrhunderts. Interessant, besonders in der Hinsicht, dass sie den hohen Grad an Verschränkung unter den Monarchien zeigte, fand ich eine Ausstellung von diplomatischen Geschenken, die sich im Palast im Laufe der Zeit angesammelt hatten. Ich sah eine Schreibmaschine aus Amerikanischer Produktion, deutsche Porzellanwaren und Fernrohre, und russische Samoware. Globalisierung!

Danach bekam ich jedoch eine noch beeindruckendere Zur-Schau-Stellung royalen Reichtums zu sehen: Die Kronjuwelensammlung des Iran (“Die nationale Schatzkammer”). Eingeschlossen in einem (wahrscheinlich) atomsicheren Bunker unter der Zentralbank in Teheran, werden zum Beispiel solche Sachen gelagert:

An approximately 1,5m tall, jewel-studded globe from the Iranian National Treasury, dating back to the Qajar-Era.

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Cyrus Reza Pahlawi, the Sha’s son, who now lives in Maryland.

Am nächsten Tag besichtigten wir den Palast (oder genauer: die Paläste) der letzten persischen Dynastie, der Pahlawis: den Sadobod-Komplex. Heutzutage handelt es sich hierbei um einen Park von Museen, von denen die Villa der Pahlawis tatsächlich nur eines ist. Wir besichtigten das königliche Auto-Museum, welches eine teuer aussehende Sammlung kugelsicherer Mercedes- und Rolls-Royce-Limousinen zur Schau stellte. Am denkwürdigsten fand ich jedoch dieses Bild des Sohnes von Mohamed Reza Shah Pahlawi.

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A bored recruit at the military history museum.

Danach besichtigten wir das Militärmuseum, welches Waffen ausstellt. Die eigentliche Hauptattraktion jedoch war die personelle Ausstattung des Museums mit sichtlich gelangweilten Zwangsrekruten, für die offensichtlich keine andere Beschäftigung vorhanden ist. Und am Ende nun endlich die eigentliche Villa.

Carter meeting Mohamed Reza Pahlawi Shah in 1978

Carter meeting Mohamed Reza Pahlawi Shah in 1978

Da es sich bei dieser nun tatsächlich um ein Gebäude aus dem 20. Jahrhundert handelt, welches unter Anderem auch von Jimmy Carter besucht wurde, war es historisch etwas zu nah, um “einfach nur ein weiterer Palast” zu sein. Ich habe verschiedene Reden von Jimmy Carter gesehen, und bin ein großer Fan der Carter-Foundation, die in Afrika den Guinea-Wurm ausgerottet hat. (Die erste Regel der Carter-Foundation ist außerdem “Versagen ist eine Möglichkeit”, was ich sehr weise finde und direkt für mich adaptiert habe). Jedenfalls besuchte zum Beispiel auch die Apollo-11 Crew 1969 den Shah. Fast 10 Jahre danach, am 31. Dezember 1978, feierte Carter im Palast mit dem Shah Silvester, was vor dem Hintergrund eines wachsenden anti-amerikanischen Sentiments in der iranischen Bevölkerung wohl ein  weiterer Nagel in Pahlawis politischem Sarg war.

Am nächsten Tag, Dienstag, gönnten wir uns eine Pause von der Geschichte, und machten uns auf zu einer Morgenwanderung durch die wundervollen Berge, die Teheran von Norden her umgeben (Mir sind dabei spontan Szenen von Minas Tirith aus Herr der Ringe eingefallen!) :

ZEITREISE

time_travelTeheran war seit 1789 die Hauptstadt des persischen Königreiches. Davor war es die Stadt Esfahan. Davor war es (etwa bis 1509) (grob) die Region Shiraz. Und LANGE davor regierten Darius und sein Sohn Xerxes von den Hallen von Persepolis aus, bis Alexander etwa 330 v.Chr. die Party auflöste. Auf einer Karte sieht das in etwa so aus:

Die offensichtliche Beobachtung: Im Laufe der Geschichte wanderte die Hauptstadt immer weiter nach Norden, was dieser einen wohligen Panzer von Norden her verschaffte. Deshalb fühlt sich eine südwärts gewandte Reise entlang dieser Linie, wie Kasra und ich sie nun antreten sollten, eben ein wenig wie eine Zeitreise in die Vergangenheit an.

ESFAHAN

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Me befriending a particularily attached cat in Tehran

Am Mittwoch dem 30. September bestiegen wir also unsere Busförmige Zeitmaschine und machten uns auf die Reise südwärts. Wir hatten etwa eine halbe Stunde bevor der Bus abfuhr, und machten einen kleinen Spaziergang. In touristischer Manier entschied ich mich natürlich, mich mit einer Katze in einem nahe gelegenen Park anzufreunden.

Nach etwa fünf Stunden Fahrt durch eine zeitweise unerhört schöne Wüstenlandschaft, erreichten wir unser Hotel in Esfahan. Heutzutage ist die Stadt hauptsächlich als Irans Kulturhauptstadt bekannt (Angabe ohne Gewähr). Außerdem ist sie wesentlich konservativer als Teheran. Als Heimat der Elite der persischen Teppichmanufakturen war die Stadt jedoch ein international berühmtes Touristenziel und bekam den Spitznamen “Nesf-e Jahan”, was “Die halbe Welt” bedeutet: Da man dort tatsächlich ´die halbe Welt´ treffen konnte.

Isfahan wurde hauptsächlich von der Safavid-Dynasty (1501-1722) erbaut, welche es zum ersten Mal nach etwa 500 Jahren schaffte, Persien zu vereinen. Die für mich beeindruckendste Stätte dort war ein riesiger Platz, der Naqsh-e Jahan Platz. Rückblickend war dieser wohl unter den eindrücklichsten Orten, die ich im Iran überhaupt gesehen habe, wegen der reinen Zahl an zu betrachtenden Dingen. Erst einmal ist da natürlich dieser riesige Platz. Nun ist dieser aber auch von ausschließlich interessanten Dingen umgeben: Zunächst gibt es da eine alte zeremonielle Plattform mit nachgelagertem Palast, dem so-genannten Ali-Qapu Palast. (Lustigerweise traf ich dort ein paar deutsche Touristen aus Leipzig, und wir hatten alle etwas Spaß damit, mitten im Iran unsere Sächsisch-Kenntnisse auszutauschen). Auf der anderen Seite des Platzes befindet sich der schönste Gebäudeeingang, den ich je gesehen habe: der Eingang zur Scheich-Lotfollah-Moschee. Wo kein Palast und keine Moschee ist, befinden sich Läden, die ausschließlich schöne und interessante Dinge anbieten. Im Nachhinein kann ich nicht sagen, wie viel Zeit ich damit verbracht habe, einfach nur an den Schaufenstern vorbeizustrolchen. Aber am Ende gab ich dort etwa 100 Euro für interessant benähte Tücher und Kästchen aus Kamelknochen aus :)

Außerdem gibt es in Esfahan ein paar der schönsten Fußgängerbrücken der Welt; Die Marnan-Brücke (1599), die Si-o-se Pol (1632), und die Khaju-Brücke (1650).

Me and Kasras brother enjoying some free tea in Esfahan.

Me and Kasras brother enjoying some free tea in Esfahan.

Zur Genießbarkeit des Aufenthaltes insgesamt trug wohl auch die Tatsache bei, dass sich die ganze Stadt in guter Laune befand wegen des Eid-Festes: Man versammelt sich und verteilt kostenloses Essen in Wertschätzung der Tatsache, dass Abraham seinen Sohn Jakob nicht umbrachte, und so Gottes Test bestand. Auch ich bekam kostenlos Tee, Joghurt und Snacks; und war in Folge dessen besonders glücklich über Abrahams Mangel an Wahnsinn.

Alles in allem war Esfahan einfach nur wunderschön. Nebenbei erwähnt war es auch der Ort, an dem ich mich mit den meisten Ladenbesitzern anfreundete. Zum Beispiel diesem Handwerker, der mir in gebrochenem Deutsch von seinen Erlebnissen in Hamburg erzählte:

esfahan-009Oder dieser Fruchtverkäufer, bei dem ich ein Kilo Trauben kaufte:random-006

SHIRAZ

Nach einer guten Nacht Schlaf (und ein paar ausgezeichneten Weintrauben zum Frühstück) setzten wir unsere Zeitreise fort und bestiegen den Bus nach Shiraz. Die Landschaft auf diesem Weg war sogar noch fotogener als jene auf dem Weg nach Esfahan:

shiraz-004Unser Hotel war eine äußerlich leicht an die 80er erinnernde Anlage im Nordosten der Stadt, welche den inspirierenden Namen “Touristenhotel” trug, sodass bezüglich ihres Zweckes definitiv keine Missverständnisse entstehen konnten. In Shiraz liegt außerdem das teuerste Hotel im Iran, das Grand Hotel Shiraz, welches (natürlich) während der Pahlawi-Ära gebaut wurde. Einprägsam, da wenn man die Stadt bei Nacht von Norden her anfährt, einem dieses wie ein riesiges Raumschiff entgegenleuchtet.

In der Retrospektive muss ich Folgendes feststellen: Die Tatsache, dass ich nur zwei Tage in Shiraz und einen Tag in Esfahan verbracht habe, hat mir einen falschen Eindruck von der Größe dieser Städte vermittelt. Shiraz hat eine beeindruckende Zahl von 1,4 Millionen Einwohnern und Esfahan hat 1,7. Da ich die Stadtzentren allerdings nie wirklich verließ, fühlten sich diese für mich wesentlich kleiner an. Von dem Ausmaß meiner Unterschätzung bin ich immernoch beeindruckt, vor Allem bei Shiraz, wo ich mich um Größenordnungen verschätzte. Eine weitere Bemerkung: Iraner scheinen einen mir sehr sympathischen Geschmack in ihrer Wahl deutscher Partnerstädte zu besitzen: Die Partnerstadt von Esfahan ist Freiburg, und jene von Shiraz is Weimar!

Shiraz wird auch “Die Geburtsstätte Persiens” genannt. Aber wesentlich wichtiger: Wikipedia nach handelt es sich auch um den Geburtsort des Weines! Die älteste jemals gefundene archäologische Weinprobe stammte aus der Region Shiraz, und wurde auf ein atemberaubendes Alter von 7.000 Jahren datiert! Bis heute finanziert diese Weinprobe Irans Atomprogramm. Na gut, Scherz.

Die Stadt selbst ist etwa 4.000 Jahre alt, und verschiedene persische Könige etablierten dort im Laufe der Geschichte ihre Hauptstadt. Interessanterweise war selten Shiraz selbst die Hauptstadt, aber häufig waren es Städte in ihrer unmittelbarer Umgebung:

  • Die Stadt war etwa 40 km entfernt von der Hauptstadt des Achämenidenreiches, Persepolis (550-330 v.Chr.)
  • Sie war gleichsam nahe an Ishtakhr, der Hauptstadt des Sassanidenreiches (200-650 n.Chr.)
  • Für kurze 110 Jahre war es die Hauptstadt des Buwayhidenreiches (945-1055)
  • In einem kleinen Bruch mit der Zeitreise-Geschichte, machte die Zand-Dynasty Shiraz kurz zu ihrer Hauptstadt, von 1762 bis 1789, bis die Qajars endlich an die Macht kamen und die Party nach Teheran verlagerten (Diese Ablösung liest sich übrigens wie ein Kapitel aus dem alten Testament oder eine besonders blutrünstige Folge von Game of Thrones: Der letzte Sohn der Zands, Lotf Ali Khan, versteckte sich in der Stadt Kerman vor der Qajar-Armee. Nachdem ein paar seiner Männer ihn wohl verrieten und die Tore der Stadt öffneten, rächte er sich an den Einwohnern von Kerman, indem er 20.000 Augäpfel aus diesen extrahierte, und diese dem siegreichen Anführer der Qajaren vorwarf. Als Rache dafür wurde Lotf Ali Khan geblendet, kastriert, eingekerkert, gefoltert und vergewaltigt vom ersten Qajaren-Khan, Agha Mohammad Khan. Nun ja.)
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Scene depicting Kharim Khan Zand in his citadel with the royal ministers.

Die Gebäude, die wir in Shiraz anschauten, wurden hauptsächlich von Kharim Khan Zand während der kurzen 30 Jahre seiner Herrschaft in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Kharim Khan Zand weigerte sich, den Titel des Shah anzunehmen, statt dessen entschied er sich für “Vakil e-Ra’aayaa”; “Repräsentant des Volkes”, was wohl erklärt, warum die Herrschaft der Zands nur etwa 30 Jahre andauerte.

Zuerst besuchten wir die Karim Khan Zitadelle, die in EINEM JAHR, von 1766 bis 1767 erbaut wurde, obwohl sie mich  von  der Architektur her eher an eine romanische Burg des 11. Jahrhunderts erinnerte. Innen hatte sie einen wunderschönen Garten, beeindruckend gestaltete Wände und ein Badehaus. Aber definitiv nichts übermäßig Luxuriöses, was mir Kharim Khan recht sympathisch erscheinen ließ. Danach besichtigten wir ein öffentliches Badehaus, welche Kharim Khan für sein Volk erbauen ließ. Meine Stimme hätte er!

Danach besichtigten wir Irans größte Moschee, die Vakil Moschee, die ebenfalls von Kharim Khan erbaut wurde. Die erste Moschee, die ich jemals besucht habe! Das gesamte Gebäude war wunderschön, aber ein Detail fand ich besonders interessant: Um während des Gebetes den sozialen Rang des Imams abzuwerten, gab es speziell zu diesem Zweck ein etwa 50 cm tiefes Loch im Boden vor dem Altar. Fortschrittlich!

PERSEPOLIS

Als am nächsten Tag die Sonne aufging, begaben wir uns nach Perspepolis, dem Ziel unserer Reise. Ich fühle mich ein wenig subqualifiziert für den Versuch, die enorme Faszination, die noch immer von diesem Gebäude ausgeht, in ein paar Absätzen weiterzugeben. Persepolis ist einfach die historische Touristenattraktion des Iran, auf einer Ebene mit den Pyramiden von Gizeh und der Akropolis in Athen.

Persepolis wurde ursprünglich als eine von König Darius I. vielen Residenzen errichtet, der Hauptzweck war allerdings nach heutigen Erkenntnissen wohl der eines Sammelpunktes für Repräsentanten aus allen Teilen des Achämenidenreiches während der Neujahrszeremonien. Ein Machtsymbol zum Aufschauen für die Untergebenen.

persepolis-005Aus linguistischer Perspektive handelte es sich bei Persepolis um eine Schatzkiste aus Korpusmaterial – von Grundsteinen die von Xerxes selbst beschrieben wurden, bis zu Buchhaltungstafeln die beweisen, dass Persepolis nicht von Sklaven erbaut wurde!

persepolis-002Nach dem Fall des Achämenidenreiches diente die Festung hauptsächlich als Baumaterialquelle für umliegende Städte, vor allem für die Hauptstadt des Sassanidenreiches, Ishtakhr. Im Laufe der Zeit ging das Wissen über die Herkunft der Stätte immer mehr verloren. Die ersten ernsthaften archäologischen Untersuchungen wurden in den 1930er Jahren durch den deutschen Archäologen Ernst Herzfeld durchgeführt, mit Mitteln des Orientalischen Institutetes der University of Chicago. Wer sonst!

EINPACKEN

Am Morgen des nächsten Tages bestiegen wir auf dem Flughafen Shiraz unser Flugzeug für den Rückflug nach Teheran. Die letzten zwei Tage strolchte ich mit Kasra durch die Stadt, kaufte ein paar last-minute-Andenken und nahm tiefe Atemzüge im Verlangen nach dringend benötigtem Sauerstoff, der zur Verarbeitung der voluminösen Erlebnisse der vorangegangenen 10 Tage wohl nötig war.

Ein paar kleine Dinge gibt es jedoch noch, über die ich gerne reden möchte:

  1. Währung und Zahlen: Im Iran Geld auszugeben, ist kein triviales Unterfangen. Ersteinmal muss man es schaffen, das Geld ins Land zu bringen, was nur in Bar geht, da weder EC- noch Kreditkarten wegen der aktuellen Sanktionen funktionieren. Dann muss man feststellen, wie viel man braucht. Wer beim Zählen von Nullen gut ist hat hier einen klaren Vorteil, denn der Kurs Euro-Rial liegt aktuell bei 1:3800. random-002Wenn man das Geld dann auf der Hand hat, muss man wissen, was ein Schein denn so Wert ist. Denn während die Europäer die arabischen Zahlen adaptiert haben, haben viele arabische Länder inklusive des Iran die Hindu-arabischen Zahlen angenommen, die hier so aussehen: ٠‎ ١‎ ٢‎ ٣‎ ٤‎ ٥‎ ٦‎ ٧‎ ٨‎ ٩ . Nun kann der versierte Leser fast schon persische Preisschilder lesen. Fast, da man wissen muss, dass es im Iran mehrere Währungen gibt: Den offiziellen Rial (1:3800), den halboffiziellen Toman (1:380), und dann die Straßenwährung, in der einfach alle Nullen weggelassen werden (Kasras Bruder stellte mir diese als “G” vor):  1:3.8. Verwirrung entsteht hauptsächlich zwischen Rial and Toman.
  2. Wirkungslosigkeit des Hijab: Bekannterweise lehrt der Islam ja, wie viele andere Religionen auch, die inherente Bosheit der Sexualität, weshalb diese wann immer möglich unterdrückt werden muss. Speziell böse und unterdrückungsbedürftig ist selbsterklärenderweise weibliches Kopfhaar. Deshalb müssen Frauen im Iran in der Öffentlichkeit ihre Haare mit Hilfe eines Stückes Stoff, des “Hijab”, bedecken. Da Frauen hinterlistige Teufel sind fanden sie heraus, wie man den Hijab so tragen kann, dass es in keinster Art und Weise dessen ursprünglicher Bestimmung entspricht.
  3. Irans Beziehung zu Deutschland: Wie bereits erwähnt, hatte Persien (und später der Iran) eine hochinteressante Beziehung zu Deutschland seit dem Machtantritt der Pahlawis. Irans Rivalität mit gleich zwei allierten Mächten (der UdSSR und GB) brachte das Land in eine Art natürliche Allianz mit Deutschland, was u.a. in massivenmonument_germany_support_iraq Bauaufträgen für deutsche Firmen während des gesamten 20. Jahrhunderts resultierte, von Eisenbahnstrecken bis zu Atomkraftwerken. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch einige Streitpunkte: Zum Beispiel lieferten deutsche Chemiekonzerne wohl in den 60er und 70er Jahren Wissen über ABC-Technologie an Saddam Hussein, was wohl in Hohem Maße zu dessen  Sarin-Vorräten beitrug, welche er im Iran-irak-Krieg in den 1980er Jahren gegen den Iran einsetzte. Es gibt vor der deutschen Botschaft in Teheran ein Manmahl, welches an die unrühmliche Rolle deutscher Technologiekonzerne in dieser Hinsicht erinnert.
  4. Auf der anderen Seite gab es in Teheran diese wunderschöne Lichtinstallation zur Feier des 25. Jahrestages der deutschen Einheit, welcher in die Zeit meines Aufenthaltes fiel.
  5. Kalender: Iraner haben nicht einen oder zwei, nein drei Kalender: Den persischen Sonnenkalender, den arabischen Mondkalender, und den Gregorianischen: Im Iran ist daher im Moment gleichzeitig das jahr 2015, 1394 and 1437. Quelle: http://www.iranchamber.com/calendar/converter/iranian_calendar_converter.phpend-004
  6. Katzen: Die Liebe der Perser zu Stolz und Luxus bringt sie auch in eine natürliche Allianz mit Katzen. Ich war überrascht davon, wie viele unglaublich fotogene wilde Katzen ich im Iran gesehen habe!
  7. Essen: Persisches Essen ist unter dem Besten das ich jemals gegessen habe. Vor allem die Backwaren sind unglaublich gut!

Also, besucht den Iran! ich werde definitiv wieder hinfahren (Leider bin ich u.A. nicht dazu gekommen, das Kaspische Meer, den Persischen Golf und die Wüste zu erkunden!). Historisch gehesen ist es natürlich ein unglaublich wichtiges Land, und ich kann jedem nur empfehlen, einen tiefen Atemzug davon zu nehmen!

Why NLP is cooler than Rocket Science: Language as a tool for understanding cognition and accelerating the advent of ASI

[<TL;WR>: It mostly says it all in the title.]

In the past two or three weeks, approaching the end of my second semester at the University of Stuttgart, I spent quite a bit of time contemplating what I am learning in a broader context, and trying to understand what it actually is that I want to accomplish.

This challenge was amplified by the fact, that over the past two years, we have seen rise to two companies which I have admired for quite a long time; SpaceX and Tesla. I loved cars and rockets growing up as a kid (and I spent a lot of time drawing my own). Especially the emergence of the F9R (Falcon 9-Reusable) Rocket, which for the first time in the history of mankind tries to commercialize a propulsive landing system, seemed to violently awaken my less abstract engineering spirits, because, lets face it: Propulsive landing is insanely cool.

Falcon 9 CRS-6 Barge Landing Attempt

Now as exciting as that is, it was also a little depressing for me, because upon first glance, my studies of NLP could not be further apart from the kind of hard engineering knowledge that is required in building these incredible machines. I seriously questioned whether my line of studies was really the best way to maximize my personal contribution to the technological progression of humanity.

It took me a while, but I have come to the conclusion that that is not the case. This is not to disregard the enormous importance of “hard engineering knowledge”, e.g. electrical, mechanical, chemical & materials. But as much as those more traditional fields are an important foundation, I think it is fair to say that by themselves they do not generate a lot of progress. It is the contributions from Information Technology that really makes their applications exciting. Take for example the F9R. Yes, fundamentally it is a culmination of exploiting every possible bit of hard engineering knowledge. But there seem to be key contributions from IT without which this would have been impossible (at least given the resources of SpaceX):

  1. Simulation Technology (see this excellent presentation by SpaceX Director of Research Adam Lichtl and SpaceX Lead Software Engineer Stephen Jones on how SpaceX is exploiting sim tech)
  2. Advanced Avionics (to quote the Falcon 9 User Guide: [...] Avionics include rugged flight computers, GPS receivers, inertial measurement units, SpaceX ‐ designed and manufactured controllers for vehicle control (propulsion, valve, pressurization, separation, and payload interfaces) [...])
  3. Advanced Computer Aided Design (Including 3D Printing). (See this video from SpaceX featuring Elon Musk talking about the future of HMI.)

This is the first important observation: What really made the difference was not advances in engineering, but advances in IT. I challenge every reader to argue with that.

My second self-convincing observation (I call it a hope-servation, as in maybe I see what I hope to see) is that we are probably not nearly at the limits of said three areas of contribution from IT to engineering. (Especially processing-power wise, of course, but that is more like an engineering contribution to IT than vice versa.) But this is where NLP comes in. The holy grail of NLP of course is ASI, Artificial Strong Intelligence. Yes, there are more mechanical approaches, that try to neglect the role of cognition in Speech Generation and Processing, but I think there is a trend towards at least incorporating “Statistical Approaches” (Machine Learning), deviating from the purely rule-based approaches proposed by Chomsky.

For a nice introduction into the subject, watch this video by Google:

And this is exactly where I see my contribution to engineering: With the advent of strong NLP, culminating in ASI, there will be an explosion of ever more advanced applications of traditional engineering knowledge. Engineers will be able to literally discuss designs with their computers. Simulators will be able to identify border cases and design very effective test plans on their own.

SpaceX CRS-7 disintegrating after second stage failure.

Events like the Falcon 9 explosion on June 28th 2015 remind us, that human engineering is far from perfect, because the complexity of our machines tends to increasingly exceed our cognitive capabilities. This is why we need artificial intelligence.

 

 

 

Life imitates Art: Deutschland durch elektronische Musik mögen lernen

(Dies ist ein Artikel, den ich größtenteils am 8.8.2014 verfasst, aber zu dessen Veröffentlichung ich mich erst heute entschieden habe.)

388215_310795265609323_301206739_nGestern bin ich aus Ghana zurückgekommen. Was macht man so, wenn man zum ersten Mal seit 11 Monaten wieder so richtig in Deutschland “ankommt”, ohne im Hinterkopf zu haben, dass man das Land ja sowieso bald wieder verlässt? In den Zug steigen, Laugenbaguette mit Salami essen. Kraftwerk anmachen. Nachdenken. Man verspürt einen gewissen Drang, eine harmonische Beziehung zu seiner Umgebung aufzubauen. Also für mich speziell, eine harmonische Beziehung zu Deutschland aufbauen.

Warum ich Deutschland bisher nicht mochte

376239_454639147891600_482806894_nUm ganz ehrlich zu sein, ich mochte Deutschland noch nie so richtig leiden. Die “Seele” Deutschlands war nach dem 2. Weltkrieg zerbrochen. Die Mentalität der Deutschen ist aus meiner Sicht seit dem vor Allem von Bitterkeit geprägt, und der Frage, wie man sich als Volk eine neue Identität geben kann. Bedingt durch die unterschiedliche wirtschaftspolitische Entwicklung sind dabei in Ost- und Westdeutschland verschiedene mehr oder weniger ausstehliche Ideen entstanden.

52560_170562779632573_7748489_oVor allem Westdeutsche aus der Nachkriegsgeneration, haben das s.g. “Wirtschaftswunder” der 1950er bis 1970er Jahre hautnah miterlebt. Sie sind in einem Deutschland aufgewachsen, das von Wohlstand und einem kriegsbedingten Vakuum nationaler Identität geprägt war. Für viele dieser Menschen entwickelte sich damit eine neue nationale Identität, die sowohl den übermäßigen Wohlstand, als auch eine neue, viel subtilere Form von Nationalismus legitimierte: Die Idee eines Volkes mit weit überlegener Arbeitsmoral. Die damit verbundenen Werte -Produktivität, Präzision  und Ernsthaftigkeit- sind sicherlich konstruktiv und sympathisch in dem Sinn, dass sie teilweise eine sich selbst erfüllende Prophezeiung sind. Viele Deutsche fühlen sich tatsächlich wohl, wenn sie sehr produktiv, sehr präzise und sehr ernsthaft sind. Mich eingeschlossen.

10496006_785076991514479_1282326350185411380_oSchade bis gefährlich ist es nur, wenn mit der Erfüllung dieser Werte die Selbstkritik durch eine selbstgerechte, konservative Trägheit ersetzt wird. Das ist der Hauptgrund, warum ich mich bisher in Deutschland nicht wohlgefühlt habe. Das kriege ich jetzt besonders zu spüren, wenn ich bei meinen Erzahlungen über die wirtschaftlichen Probleme Ghanas bei so manchem Gesprächspartner sehen muss, wie er/sie sich ein herablassendes Lächeln im besten Fall noch verkneift.

Die “Quelle allen Übels” ist hier wohl die Idee, dass das deutsche “Wirtschaftswunder” der Nachkriegsjahre und die sukzessive wirtschaftliche Dominanz Deutschlands in Europa und weltweit (Stichwort “Export-Weltmeister”) einer grundlegend überlegenen “Deutschen Arbeitsmoral” entsprungen ist. Hier möchte ich eine Dokumentation empfehlen, die letztes Jahr vom ZDF veröffentlicht wurde: Die Ursprünge des “Mythos vom Wirtschaftswunder” der BRD sind demnach weitaus weniger glanzvoll. Hier eine Kurzfassung:

  1. Überbleibsel von Ingenieuren, Nazi-Managern und Industrieanlagen aus dem 3. Reich waren ein Katalysator für die Industrie.
  2. Eine große Nachfrage nach Industriemaschinen in Folge des Korea-Kriegs beschleunigte den industriellen Aufbau
  3. Der Verzicht kriegsgeschädigter Nationen auf Reparationen (mit Ausnahme von Russland) erlaubte ungestört die fortgesetzte Nutzung eines großen Teiles der industriellen Anlagen.
  4. Und vor Allem: Allierte Propaganda. Diese hat dazu geführt, dass die Deutschen nun Ludwig Erhardt als den visionären Erschaffer der D-Mark und die Amerikaner als die “selbstlosen Gläubiger” im Marshall-Plan verehren.

381878_305364289485754_575050699_nWas das für Implikationen in der Diskussion um die deutsche Schuld in der “Euro-Krise” nach sich zieht, ist sicher auch eine wichtige Frage. Aber die wichtigste Frage für mich ist nun: Wie kann man eine Nation, die von so viel Selbstgerechtheit geprägt ist, mögen lernen? (Vor allem wenn man gerade aus einem Land kommt, dass im wirtschaftlichen Vergleich zu Deutschland definitiv auf der Verliererseite steht.)

Gedankensprung: Kraftwerk und Roman Flügel

Ich denke, die Tatsache dass die Elektro-Musik-Szene in Deutschland so stark geworden ist, hat sehr greifbare Gründe. Die Gründer dieser Szene in der neuen Bundesrepublik waren dazu fähig, die neuen Werte -Produktivität, Präzision und Ernsthaftigkeit- nicht blind als Füllmaterial für das Vakuum der nationalen Identität zu nutzen, sondern in eine vom Nationalismus entledigte, nüchterne Ästhetik als neue Form von Musik umzusetzen.

981859_577608038928043_650572954_oDie wohl berühmteste Gruppe in diesem Zusammenhang ist “Kraftwerk”. Die Band wurde ursprünglich 1970 gegründet unter dem Titel “Organisation zur Verwirklichung gemeinsamer Musikkonzepte”. Laut Wikipedia bezeichnete die New York Times Kraftwerk 1997 als die “Beatles der elektronischen Tanzmusik”. Titel wie “Autobahn”, “Die Roboter”, “Das Modell”, “Radioaktivität” und “Computerwelt” zeichnen ein fast utopisches, von Technokratie geprägtes Lebensbild des Nachkriegsdeutschlands, auch vor allem weil die Original-Texte -und Titel- eben deutsch sind.

Dies ist für mich die politische Dimension elektronischer Musik, im engeren Sinne. Ein wichtiger Katalysator für mich zur Erkenntnis der oben beschriebenen Assoziationen war die Facebook-Seite von Roman Flügel. Dieser postete zur Ankündigung seiner Gigs immer zusätzlich scheinbar zusammenhanglose Fotos aus Deutschland.

 

Why I will leave Ghana: Telecommuting, the University of Cape Coast, Yandex and Natural Language Processing

As I just published, I am going to leave Ghana in August. I would like to explain the “Why” a little bit more.

Some of you know, that for the largest part of the past year I was very certain that I would stay in Ghana at least until the end of 2014. I went to some length to establish conditions that would allow me to do so: I struck a telecommuting deal with my employer in Germany whilst filling a temporary lecturing vacancy at the University of Cape Coast in Ghana; the combination of which would be reason enough to stay.

Over the past four months though, the bright outlook I saw in staying here transformed into a nightmare of power and internet outages, miscommunication and bureaucracy.

OneUniversity_of_Cape_Coast_(UCC)_crest[1] of my main conclusions is, that I was far too optimistic about promises made to me here. Primarily that goes to the UCC (University of Cape Coast). Prior to initiating the telecommuting agreement with my employer, I made clear to the University that the precondition for my lecturing there would be the availability of a secure work environment for my telecommuting job. It devolved into a bit of a carrot-and-stick situation: I was shown my office in the university, even temporarily holding the keys to it, and continuously promised that I would receive a contract for my work either tomorrow or next week.

Fortunately I learned through a series of happy coincidents that the program coordinator who originally invited me into the university was just a temporary fill-in for the actual guy, and probably didn’t even have the authority to create a contract for me. It is still puzzling me why he didn’t just admit that.

Now I got to know the actual program coordinator. He flat-out admitted that he didn’t have the authority to employ me. That left my dream of staying at the university shattered in pieces, until I had the idea of studying there. They would’ve actually permitted me to do a Master’s in Computer Science, which sounded nice to me. I wanted to stay in Ghana.

That was until I was contactYa logo 250ed by Yandex. Yandex is a Russian Company that operates, among other services, the 4th-largest search engine in the world. They picked up my resume on LinkedIn and invited me to participate in an interview for a C++ Software Engineering position in Berlin. I was really curious, especially because the job would have been about enhancing their maps service. I made it through the challenge tasks and the first interview, but didn’t quite make the second interview. Throughout the interview process though I came to peace with the thought of leaving Ghana for something that may not be as culturally demanding, but far more academically challenging (than studying at the UCC).

After I failed on the second interview with Yandex, I was obviously stuck with a very depressing thought: What if, even after getting a Masters Degree in Computer Science from the UCC, I still wouldn’t have the knowledge to make it through an interview such as the one I just failed?

This is not to discredit the ICT/Computer Science program of the UCC. But indisputably, I do have access to universities in Germany that have far more competence in the field. And also indisputably, Computer Science is one of my core interests.

ims-stuttgart stuttgartSo I started looking for academic “computer sciencey” programs in Germany, and actually found one at the University of Stuttgart that seemed to fulfill my urge for academic depth, especially towards creative algorithms and data structures. The program name is “Maschinelle Sprachverarbeitung”, translated to English  as “Natural Language Processing”.

This is a really important step for me. I had to choose between science and social engagement. After a year of social work in Ghana, I chose science.

 

Abschied aus Ghana

Ghana_Airways_VC-10_AMS_1965-8-1Es sind nun noch gut zwei Wochen bis ich Ghana vorerst das letzte “Yebeshia!” – “We will see each other!” sagen werde. Gerade habe ich für den 7.8. meinen Flug nach Hause gebucht (Dieses Mal mit Moroccan Airlines! Ich habe vertrauen in euch!)

Ich verlasse Ghana mit sehr gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite freue ich mich auf Deutschland. Eines meiner Hauptziele in Ghana war, mir persönlich darüber klar zu werden wer ich bin und was ich will. Dieses Ziel habe ich definitiv erreicht. Die Flut an wichtigen Erfahrungen hier hat viele kleine Steine aus meinem Kopf gespült, und mir die Möglichkeit gegeben, meinen Verstand auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich habe viele Erkenntnisse über mich Selbst erlangt, und das ist genial!

Auf der anderen Seite steht das Gefühl, nichts zurückgegeben zu haben. Das ist vielleicht ein Kindheitstrauma von mir, dass ich ständig denke mich für Alles revanchieren zu müssen. Aber je näher der Abflugtermin rückt (und jetzt rast er förmlich aus mich zu), desto mehr habe ich das Gefühl versagt zu haben. Durch eigene Fehleinschätzungen, vorschnelle Entscheidungen und unüberlegtes Engagement das materielle Endresultat nicht maximiert zu haben. Ich weiß, dass die Organisation für die ich arbeite jetzt nicht weiter ist als vor einem Jahr. Wir sind nicht viel berühmter oder erfolgreicher geworden. Wir konnten nicht wie erhofft durch das ICT-Projekt in Ghana der Organisation ein wirtschaftliches Standbein außerhalb der Förderung von weltwärts-Freiwilligen verschaffen.

Ein Hauptgrund dafür ist Fehlkommunikation. Ich hatte das Gefühl, dass an mich riesige Erwartungen gestellt wurden, als ich im September letztes Jahr nach Ghana aufgebrochen bin. Dass sich das ICT-Projekt, welches eigentlich das Flaggschiff der Organisation sein sollte, am Abgrund befand, und ich es retten sollte. Deshalb engagierte ich mich nach allen Kräften, wirklich allen. Ich engagierte einen Vertrag der Organisation mit der Lokalverwaltung, damit wir ein lokales Ausbildungszentrum (das “MTN-Center”) für IT-Workshops nutzen konnten. Ich startete ein Kartografie-Projekt zur Kartierung von Komenda und dem umgebenden Distrikt. Ich engagierte mich für die Festanstellung eines Lehrers, der unabhängig von den weltwärts-Freiwilligen in Komenda IT-Kurse anbieten sollte.

Was ich nicht bemerkte war: Ich schuf Lösungen für Probleme die andere nicht sahen. Was mir nicht bewusst war, war wie sehr Probleme im Auge des Betrachters liegen können. In Ghana herrschen andere Ansprüche an Funktion und Leistung. Und das ist verdammt gut so. (Siehe meinen vorigen Blogeintrag!) Manchmal ist weniger mehr.

problems

Denn nun stehe ich da, und frage mich, was ich denn mit all dem Engagement erreicht habe. Ich habe einen Lehrer für AIM. “rekrutiert”, aus Respekt vor seiner Privatsphäre nenne ich ihn hier nur “S.” S. hat zwar einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Das hatte für ihn aber überhaupt keine Bedeutung. Am Ende fühlte er sich unter Druck gesetzt. Seit er den Arbeitsvertrag unterschrieben hat, habe ich “S.”, der vorher ein guter Freund von mir war, nie wieder gesehen. “S.” war auch der Schlüsselverwalter des MTN-Centers. Dadurch dass er nun auf Distanz geht, nutzt uns unser Vertrag zur Nutzung des MTN-Centers nichts mehr, weil wir nicht an die Schlüssel rankommen. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass dieses Trainingscenter erst dadurch nutzbar geworden ist, dass AIM. der Kommune 300 GHS geliehen hat, damit ein letztes fehlendes Stromkabel dort installiert werden konnte, was Teil des Vertrages war.

Man könnte das alles nun auf S. schieben und sagen, ok, das war ein einzelner Mensch der sich als unzuverlässig herausgestellt hat und zu viele Fäden in der Hand hatte. Das hat nichts damit zutun dass ich mich zu viel engagiert habe. Oder hat es das?

Nun mache ich jedenfalls ICT-Kurse mit 6-8 Leuten im kleinen muffigen 12-m²-AIM-Büro, von denen 4 Leute die Kinder unserer Freiwilligenmentorin sind. So klingt mein Freiwilligendienst aus.

Was nun am Ende zählt sind aber definitiv die Eindrücke und vor Allem Freundschaften die ich mitnehme. Un davon gibt es definitiv jede Menge. Ich hoffe, bald wieder nach Ghana zu kommen. Aber das nächste Mal ohne Mission.

Warum ich denke, dass Afrika die Welt retten wird.

Hallo Welt!

letzten Samstag, also vor genau drei Wochen, bin ich in Ghana angekommen. Diesen Blog-Eintrag möchte ich gerne den wichtigsten meiner Eindrücke aus dieser kurzen Zeit widmen. Ich fühle mich zwar immernoch, also wöllte ich aus einer Hand voll Erde einen Wald begreifen, aber versuchen möchte ich es trotzdem.

Das erste was mir ins Auge gesprungen ist, als ich am 7. September nach Komenda gefahren bin, waren die bemerkenswerten Auswirkungen der Globalisierung, zumindest auf Süd-Ghana. Ich würde jedoch ausgehen, dass dies mehr oder weniger in den meisten Teilen Afrikas der Fall ist. Globalisierung in Ghana (wie für die meisten Teile Afrikas) begann mit Portugiesen, Niederländern und Briten, wobei die Briten am Ende die Oberhand gewannen. Und sie zieht sich bis heute hin, in eine Art modernen Kolonialismus durch multinationale Konzerne. Was einmal die Briten waren sind nun Coca-Cola, Microsoft, Samsung, Sony, Nestle, etc … und China. (China scheint ein multinationaler Konzern für sich zu sein. Gleiches trifft aber auch für die USA zu.)

Meiner Erfahrung nach sehen die Ghanaer selbst das Alles weitaus weniger kritisch. Heutzutage wertschätzen sie die Briten genauso sehr als Bringer des Fortschritts wie sie Coca-Cola für ihren Geschmack, Popmusik für ihren peppigen Sound, und die USA für ihre generelle Coolness lieben. Themen wie Rassismus, Monopolismus oder Imperialismus sind hier weitaus weniger präsent, da sich die Ghanaer in allen drei Fällen nicht auf der Geberseite befinden. Feel free ist das vorherrschende Lebensgefühl, sehr stark dem ähnelnd was ich in den USA erlebt habe. Mit dem Unterschied, dass wenn Ghanaer sich gegenüber verschiedenen Themen gleichgültig verhalten, dies weitaus sympathischer und ehrlicher erscheint, im Gegensatz zu ignorant. Denn Ghanaer sind größtenteils nicht auf der Geberseite der Probleme die sie ignorieren, im Gegensatz zu den USA oder Westeuropa.

Um die Parallelen zwischen Indiana und Südghana fortzusetzen: Südghana ist extrem christlich, (und sowohl in Indiana als auch Ghana isst man mit den Fingern). Demzufolge haben die USA eine ziemlich gute Beziehung mit Ghana (ein anderer Grund für die guten Beziehungen könnte Ghanas politische Nähe zu China sein, mehr dazu in einem anderen Post). Obama war hier 2009, und das USAID (siehe http://ghana.usaid.gov/) leistet große Beiträge zur ghanaischen Wirtschaft. Kofi Annan (ehemaliger UNO-Generalsekretär) und Mario Balotelli (Spieler in der italienischen Fußball-Nationalmannschaft) sind gute Beispiele für Ghanaer in unserer westlichen Blase.

Die Situation hier ist aus meiner Perspektive nihct so schlecht wie man vielleicht denken mag:

  • Es gibt ein durchdachtes sieben-schichtiges Gesundheitssystem und eine erschwingliche öffentliche Krankenkasse (NHIS – National Health Insurance Service)
  • Es gibt ein Schulsystem mit zwölf Klassen und Schulpflicht, die Alphabetisierung soll bei 81% liegen (die Zahl ist wahrscheinlich unzuverlässig). Die Regierung macht mit Nachdruck deutlich, dass Ghana auf eien digitale Zukunft hin ausgerichtet ist. ICT (Information and Communication Technology) ist Pflichtfach an allen High-Schools
  • Die Menschen hungern nicht, und Ghanas Wirtschaft ist in vergleichsweise guter Verfassung (Ghana’s BIP-Wachstum von 14% im Jahr 2012 war das weltweit zweitgrößte nach Qatar!)
  • Frischwasserversorgung funktioniert größtenteils über ein System aus zumeist unrecycelten Wasserbeuteln. (Preis etwa 5-10 Cent pro Liter)
  • ÖPNV funktioniert über ein System aus s.g. “Trotros” (Taxi-ähnliche Kleinbusse mit festen Routen) und geteilte Taxis
  • Die Infrastruktur ist in wachsend gutem Zustand. Die meisten wichtigen Zufahrtsstraßen sind asphaltiert. (Vor allem in Südghana)

Das größte und offensichtlichste Problem (aus meiner Sicht) resultiert aus einer fehlenden Müll-Recycling-Struktur. Der meiste Müll wird nicht weiterverarbeitet und brennt sich (wortwörtlich, denn er wird meistens wenn überhaupt verbrannt) ins Landschaftsbild ein.

money

“Little money”

Letztendlich möchte ich gerne die relative Bedeutungslosigkeit des BIP deutlich machen, zumindest in Südghana. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 6000 USD, wird Ghana als Entwicklungsland und damit als arm eingestuft. Das ist eine sehr begrenzte Ansichtsweise, wie ich hier gelernt habe. Cashflow ist einfach (noch) nicht die Definition der ghanischen kultur (im Gegesatz zu der recht kommerzialisierten westlichen Kultur). Das BIP ist, zum Beispiel, nicht geeignet um die ökonomischen Auswirkungen privat genutzter Felder oder Nutztiere zu messen. Es ist auch unvorteilhaft, da es die lokale Währung unterschätzt. Man kann zum Beispiel ein Brot für zwei Cedi (etwa 60 Cent) kaufen. Für den doppelten Preis bekommt man einen guten Haarschnitt. Für einen Cedi (30 Cent) kann man ein Taxi durch die Innenstadt von Cape-Coast nehmen. Es sind nur importierte Güter die teuer sind.

Die landwirtschaftliche, unkommerzielle Ausrichtung der ghanaischen Gesellschaft hat viele unschätzbare Vorteile. Zum Beispiel, relative Unabhängigkeit von westlichen Finanzkrisen. Oder relative Freiheit vom Karrieredenken und dem ökonomischen Erfolgsdruck. Und relative Freiheit von dem Krebsgeschwür des westlichen Finanzkapitalismus (Abhängigkeit vom Finanzdienstleistungssektor zur Fremdfinanzierung). Wenn man sich hier umsieht, dann ist die Landschaft von unfertigen Gebäuden gespickt, was den Eindruck erweckt das alles währen die uns so gut bekannten Investmentruinen. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall: Die Menschen hier nehmen sich selten Kredite um irgendetwas zu bauen. Statt dessen bauen sie Schritt für Schritt, einen Zahltag nach dem Anderen.

Wenn du händeringend nach einer Lösung zu dem Problem der Unmöglichkeit des unendlichen Wirtschaftswachstums suchst, auf das unsere Wirtschaft aufgebaut ist: Nimm Afrika als ermutigende Inspiration! Wenn du dich davor fürchtest das die westliche Gesellschaft wegen ihrer generellen Unnachhaltigkeit zusammenbrechen könnte, versuche eine Kultur wertzuschätzen die mit einem Bruchteil der Resourcen auskommt die wir tagtäglich verbrauchen.

Cheers!

 

Akwaaba! Willkommen in Komenda.

Hallo Alle Zusammen!

Meinen ersten echten Blogeintrag mchte ich über die schöne kleine Stadt Komenda schrieben, in der ich lebe. Komenda hat im Kern etwa 5000 Einwohner, und 30.000 Einwohner in seinem Einzugsgebiet. Die Stadt liegt im K.E.E.A. Distrikt (Komenda-Edina-Eguafo-Abirem), und ist in diesem Distrikt die größte Stadt. Direkt am Antlantischen Ozean liegend, spielt Fischerei für die lokale Wirtschaft eine sehr große Rolle.

Komenda ist reich an Geschichte! Der Legende nach kam eine Mann namens “Komen” zur ehemalig niederländischen (östlichen) Seite von Komenda (heute “Dutch Komenda” genannt). Dort bat er um Unterkunft. Die Niederländer jedoch verweigerten Ihm seine Bitte, und schickten ihn weiter nach Westen. Sie warnten ihn jedoch, dass auf der anderen (westlichen) Seite des Flusses (der heute die östliche Grenze von Komenda ist) ein gefähliches Monster lebe. Sie versprachen Komen, dass wenn er es schaffen würde, dass Moster zu töten, er alles Land westlich haben könnte. Komen tötete das Moster (der lokale Name für die Bewohner von Komenda ist Akatakyiman – “Mutige Krieger”). Damit gab er Komenda seinen Namen. Der neue westliche Teil von Komenda wurde dann übrigens von den Briten eingenommen, und heisst dementsprechend heute “British Komenda”.

Das ist, was die Legende sagt. Wer weiss, was wirklich passiert ist. Aber eins ist offensichtlich: Komenda war in die kolonialen Kämpfe zwischen Franzosen, Niederländern, Portugiesen und am Ende den Briten um Ghana sehr eingespannt. Davon gibt es einige Überreste, allen voran das Komenda Castle. Wenn man seine Geschichte bedenkt, beschädigt durch Krieg, Alter und (verständlichereise) lieblose Pflege, ist das Gebäude trotzdem noch in erstaunlich gutem Zustand (Sogar die Kanonen sind noch darauf).

Komenda hat alles was man sich wünscht. Eine zentrale Wasserversorgung, Strom (Geschätzt etwa 80% des Tages), und Telefonempfang von drei verschiedenen Anbietern (MTN, Glo, Vodafone). Vodafone (und mittlerweile sogar MTN) verfügen über 3G/HSDPA+, wodurch ich hier einen bessseren Internetempfang habe als in vielen Teilen Deutschlands, was ziemlich cool ist.

Was Komenda den größten Teil seines momentanen Status verliehen hat, ist eine Zuckerfabrik, die bis vor etwa 30 Jahren in Betrieb war. Niemand weiss wirklich warum sie geschlossen hat Korruption hat ihr leider den Gar ausgemacht. Viel Aufregung herrscht hier um die Tatsache, dass ein indischer Investor nun wohl den Wiederaufbau plant.

Genießt die Bilder!

 

Shout out!

http://mischverstaendnisse.blogspot.de/

I find it very hard describe all the experiences coming at me right now. I would like to refer interested readers to another blog, that of Leonie, a fellow volunteer from Germany working in Ghana as well, but about 2 hrs north-east of Komenda, in the city of Swedru.

She perfectly describes many of the features of living here.

There is one line I would like to highlight since I could very much relate to it. Paraphrasing from German:

You are probably going to do most things wrong anyway – and there’s nothing wrong with that. As long as I stay myself, at least I’m comfortable in my skin.

cat

Hello out there!

Hey everyone!

I finally got to create my blog. I’m going to use it to keep you updated on my stay in Ghana! I also want to use it beyound that to publish some of the projects I’m working on and give you some news commentary wherever I think its worth it.

Feel free to comment. I’m looking forward to your input.

Enjoy and have fun!

enjoy